Blog

Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Zuckerbrot statt Peitsche


Offene Kritik ruft in der Regel keine Begeisterungsstürme hervor und trifft selten auf offene Ohren. Direkte Wunschäußerungen und klare Ansagen, was anders sein sollte, oft auch nicht.

Einige Personen an die diese Wünsche gerichtet sind fühlen sich dadurch unter Druck gesetzt und machen dann erst recht das, was unterlassen werden soll oder weigern sich dem Wunsch nachzukommen, da es ja nicht auf dem eigenen Mist gewachsen ist. Damit ist es schwierig umzugehen und läßt die wünschende Person häufig hilflos zurück.

Britische und Deutsche Kommunikation

Mein Verlobter ist Brite und ich fühle mich selbst oft genug hilflos, da ich immer wieder gegen eine Mauer zu rennen schien, wenn ich direkt ansprach, was ich will oder nicht will – trotz Ich-Botschaften und Beachtung der Regeln der Gewaltfreien Kommunikation und anderen hilfreichen Methoden. Er fühlte sich unter Druck gesetzt und machte dicht. Das hatte ich allerdings auch schon mit deutschen Männern erlebt, die die direkte Art, die uns Deutschen nachgesagt wird, kennen sollten. Ich höre immer wieder, wenn ich im Ausland bin, dass „wir Deutschen“ zwar etwas schroff rüberkommen, aber man bei uns zumindest weiß, woran man ist. „Den Briten“ werden gute Manieren nachgesagt, aber es ist nicht immer klar, woran man bei ihnen ist, denn sie verwenden langwierige Sätze in denen sie gerne um den heißen Brei reden. Das scheint mir etwas umständlich und ineffizient. Ich finde es jedoch bewundernswert, wie es ihnen ganz natürlich von der Hand zu gehen scheint, sich für etwas zu entschuldigen, wo eigentlich allen klar ist, dass ich es verbockt habe, nur um mich nicht darauf ansprechen zu müssen und dadurch unhöflich zu erscheinen. Mir würde so schnell gar keine passende Formulierung einfallen, selbst, wenn ich es wollte.

Wie ich letzte Woche von einer Deutschen, die schon viele Jahre in Großbritannien lebt, aufgeklärt wurde, vermeiden es „die Briten“ ein klares Nein auszusprechen. Darum sollten Wünsche oder Fragen an sie so formuliert werden, dass sie dem nicht ausgesetzt werden, gegebenenfalls nein sagen zu müssen. Das wäre sehr unhöflich und bringt sie in Bredouille. Für mich als Frau die gerne Tacheles redet fühlt sich das nach Schaumschlägerei und sie wie rohe Eier behandeln an. Ich kann ein Nein meist gut nehmen und nehme es in der Regel auch nicht persönlich. Dann eben nicht. So weiß ich, dass ich mich beispielsweise selbst kümmern muß, kann überlegen auf welchen Kompromiss ich mich einlassen würde oder ob es eben getrennte Wege geht. Was ich schlecht vertrage ist, wenn einfach dicht gemacht wird, ich mitten im erzählen von mir Bedeutsamen abgewürgt werde mit fadenscheinigen Entschuldigungen oder wenn die andere Person umständlich ausweicht, statt zu sagen, dass sie das nicht möchte.

Kommunikationswege finden

Wenn ein gemeinsamer Weg gewünscht ist, dann ist es wichtig, dass die Kommunikation erfolgreich ist. Es geht dann darum, dass beide voneinander lernen. Drum fragte ich nach, was ich von meiner Seite aus beachten kann, um mit meinem Kopf nicht immer wieder gegen harte Mauern zu rennen und mich mit der Zeit dann doch frustriert zu fühlen, wenn ich den Eindruck habe, bei mir wichtigen Dingen wenig bis kein Gehör zu finden. Ich wollte einen Weg finden, mit dem ich zu meinem Verlobten durchdringe. Ich wollte eine Art finden, in der er offen bleiben kann mir zuzuhören und wir bei Themen, in denen wir entgegengesetzte Herangehensweisen haben, trotzdem einen gemeinsamen Weg finden, der für beide annehmbar ist.

Dies ist nicht nur ein Thema für Britisch-Deutsche Paare, sondern ist etwas, was in jeder Partnerschaft vorkommt. Die Hinweise die ich erhielt und mit denen ich mich fortan üben werde, teile ich hier gerne mit dir. Vielleicht hilft es dir ebenfalls weiter. Vielleicht ist auch für dich, wie für mich, nicht alles neu daran. Bei manchem hatte ich auch das Gefühl, dass ich das schon versucht hatte. Mein Verlobter lenkte jedoch ein, dass ich gut zuhören solle, was mir die Drittperson erklärte, da er genau so funktionieren würde. Ich war doch etwas überrascht. Ich fand es sehr hilfreich es noch ein mal so klar benannt zu bekommen und an manches erinnert zu werden. Es sind allerdings auch Herangehensweisen dabei, die meiner Natur zuwider laufen, da ich sie als Honig ums Maul schmieren und manipulativ empfinde. Aber:

Ich bin bereit dazuzulernen, wenn es einer Kommunikation dient, die dazu führt, dass beide am Ende mit dem Ergebnis zufrieden oder gar glücklich sind.

* Sprich das Thema kurz an, in dem du eine Information einwirfst oder einen Hinweis gibst und Wechsel dann das Thema. > z.B.: Unsere Freunde xy haben mir vorhin ganz begeistert von ihrer Reise nach z erzählt und meinten, dass uns das dort sicherlich auch gut gefallen würde. Vielleicht könnte das etwas für unseren nächsten Urlaub sein. oder: Für Menschen die gerne planen ist es sexy, wenn ihr Partner aktiv von selbst einen Teil der Planung übernimmt.
* Die Idee schmackhaft machen. > statt: Wir sammeln so viele Veranstaltungsorte wie möglich und fahren sie dann an einem Wochenende gemeinsam ab., besser: Wir überlegen uns, was für äußere Bedingungen wir uns wünschen und entscheiden uns für eine Gegend die dazu passen könnte. Dann machen wir an einem Wochenende oder für ein paar Tage einen gemütlichen Ausflug bzw. einen Miniurlaub in diese Gegend, z.B. mit dem Fahrrad oder dem Kanu oder gehen wandern oder zelten und nebenbei gucken wir uns die Orte genauer an, die uns beiden spontan gefallen und anziehen. So erfahren wir auch gleich voneinander, was jedem von uns wirklich wichtig ist und warum. Wir lernen uns noch besser kennen.
* Reizwörter vermeiden! > Planen ist ein Wort das sofort Abwehr hervorrufen? Dann formuliere anders: Nenne es z.B. zusammen unsere Wünsche/Träume/Idealvorstellungen ausmalen oder visualisieren, kreative Ideensammlung oder spielerisches, gemeinsames rumspinnen
* Klopfe das Territorium ab. > Falle nicht sofort mit der Tür in Haus, sondern stelle indirekte Fragen, um zu erspüren, wie der/die andere dazu steht und was er/sie bräuchte, um sich auf etwas einzulassen. Dies ist der Punkt der noch das größte Mysterium für mich darstellt.; statt: Ich möchte, dass du dich bei den Vorbereitungen beteiligst! besser: Wunderbar, dass wir uns auf einen gemeinsamen Termin geeinigt haben. Um entspannt das gemeinsame Ereignis genießen zu können fände ich es sinnvoll sich schon jetzt gemeinsam Gedanken zu machen, wie wir das Ganze gestalten wollen. Welche Herangehensweise bevorzugst du? Warum bist du der Meinung, dass wir mit den Überlegungen noch warten können? Wann findest du ist ein guter Zeitpunkt, um damit zu starten? Was würde es dir erleichtern, dir schon vorher gemeinsam mit mir Gedanken zu machen?
* Wertschätze was bisher gemacht wurde und bedanke dich dafür. Herausstellen, was ich dazu beitragen werde, damit es für den/die anderen angenehm wird. Die Wichtigkeit eines bestimmten Ablaufs erwähnen und erklären, was der Vorteil davon ist. Dafür im Voraus danken, dass der/die AndereN sich dafür einsetzt/en und mich dadurch unterstützt/en, dass dieser Ablauf reibungslos geschieht. (Dies läuft meinem Naturell entgegen, da ich es als manipulativ und als „einseifen“ empfinde. Viele Worte der Gefälligkeit und zwischendurch fallen lassen, um was es mir eigentlich geht.) > Bsp.: Wunderbar, dass sich so viele Menschen gefunden haben, die uns bei der Veranstaltungsvorbereitung unterstützen werden. Danke, dass ihr euch selbstständig so gut organisiert habt, wer wann bei was hilft. Ich werde jeweils vor Beginn einige Vorarbeiten leisten, Snacks zur Verfügung stellen und beschwingende Musik anmachen, so dass wir alle in einer lockeren, angenehmen Atmosphäre miteinander arbeiten können, in der wir uns alle wohl fühlen. Damit wir alles rechtzeitig fertig bekommen, um hinterher noch Zeit zu haben uns für die Veranstaltung in Ruhe zurecht zu machen und noch ein wenig auszuruhen, so dass wir dann die Veranstaltung in vollen Zügen entspannt genießen können, ist es wichtig, dass alle pünktlich erscheinen und ihr das macht wofür ihr euch eingeteilt habt. Ich erkläre euch ausreichend, was mir dabei wichtig ist. Ich bin euch extrem dankbar und ich finde es sehr fürsorglich von euch, dass ihr euch dafür einsetzt und mich dabei unterstützt, dass alles reibungslos und effizient abläuft. oder der letzte Satz eher humorvoll: Mit einem verschmitzten Lächeln: Ich werde jedeN von euch, der nicht pünktlich erscheint, wie ein Spürhund ausfindig machen. Und wer nicht folgsam ist, der wird gezüchtigt. (Gestalte diesen letzten Satz ganz deinem Wesen entsprechend.)

Und wie gehe ich am besten vor, wenn ich etwas ein wenig anders möchte?

Dies sind die Hinweise die ich bekam:
1. Wertschätzen: z.B.: Das machst du großartig.
2. Empathische Kritik: Wäre es für xy, wäre das super so. Kannst du das jedoch bitte so und so machen. Ich weiß, dass das aufwändiger/ungewohnt/ungewöhnlich ist.
3. Erkläre, warum es wichtig ist, dass es anders gemacht werden soll: Es muß nämlich für z passen und außerdem können wir es dann auch noch für die spätere Gegebenheit xy verwenden.
4. Leichte Körperberührung und dafür bedanken, dass die Person es so macht oder sich darauf einläßt es so zu machen, wie ich es gerade gewünscht habe.
5. Später nochmals zurückgehen, wertschätzen was gemacht wurde und für die gute Arbeit bedanken.

Ich hoffe du hast ein paar hilfreiche Anregungen gefunden. Ich bin neugierig, ob dir die Umsetzung gelingt und ob es etwas in eurer Verbindung ändert. Teile deine Erfahrungen gerne im Kommentarfeld mit mir und anderen LeserInnnen. Wenn du Wünsche für spätere Blogartikel hast, dann teile mir dies ebenfalls dort mit. Dir hat der Artikel gefallen? Dann teile ihn gerne mit anderen und abonniere meinen Blog.


Mittwoch, 24.August 2016

warum ich den Blog führe

Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaftserfahrungen, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an.
Einige meiner Reflexionen teile ich hier.

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