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Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Die Gehirne der Geschlechter in Liebesbeziehungen


Die meisten Partnerschaften haben früher oder später Konflikte bezüglich: Kommunikationstile, Sex, sich unverstanden fühlen und veränderte Anziehung zueinander.

* Eine Person möchte reden, um sich verbunden zu fühlen, die andere blockt ab, schweigt und fängt an zu werkeln.
* Eine Person möchte Sex, die andere qualitative, gemeinsame Zeit und vielleicht ein wenig Kuscheln und nur selten Sex.
* Beide fühlen sich nicht gesehen, nicht gehört, nicht verstanden.
* Die aufregende Anziehung zueinander scheint irgendwie verloren gegangen zu sein.

Die Konsequenz ist für die meisten Paare, dass sie den Eindruck haben, dass sie sich irgendwie entliebt haben, Enttäuschung aufkommt und eventuell Zweifel, ob das wirklich noch auf Dauer miteinander Zukunft hat. Sie fragen sich, ob sie es gedreht bekommen können, so dass sie sich wieder verbunden fühlen.

In früheren Blogartikeln habe ich etwas darüber geschrieben, was psychologische Faktoren sind, die die Anziehung zueinander beeinflussen und was Paare tun können, um mehr Empathie füreinander zu entwickeln.

Den wenigsten Paaren ist klar, dass außer den Dynamiken auf der psychischen und emotionalen Ebene die körpereigenen Hormone und die Art wie das eigene Gehirn funktioniert einen starken Einfluß darauf hat, wie in Partnerschaften agiert wird und was für instinktive Bedürfnisse gefühlt werden. Dies hat enorme Konsequenzen für die Paardynamik. Es gibt bestimmte Abläufe im Gehirn, die bei Männern und Frauen gleich ablaufen und damit zu tun haben, was wir bisher im Leben für Erfahrungen gemacht haben. Es gibt jedoch auch Abläufe, die im Gehirn von Männern und Frauen naturgegeben unterschiedlich sind.

Ich gebe im folgenden einen Einblick in das, was im Gehirn, auch hormonell, in den meisten Männern und Frauen abläuft. Die Forschungen auf die ich mich berufe, wurden weltweit überwiegend an heterosexuellen Männern und Frauen gemacht. Die Erfahrungen vieler Paartherapeut*innen zeigen jedoch, dass die Einflüsse in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sehr ähnlich sind. Oftmals finden sich in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zwei Menschen bei denen eine Person „weiblicher“ und eine Person „männlicher“ agiert. Wie es mit allen Untersuchungen ist, so auch hier: Es wird Generalisiert und es gibt immer Ausnahmen von der ermittelten Regel (ungefähr jede fünfte Person bildet eine Ausnahme). Ich beziehe mich im Folgenden vor allem auf die Wiedergabe der Forschungsergebnisse durch Michael Gurian in seinem Buch Lessons of Lifelong Intimacy.

Unterschiede im Gehirn von Männern und Frauen

Es gibt im Gehirn Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die sich in vier Kategorien unterteilen lassen:
1. Nervenverarbeitung: unterschiedliche Arten, wie Männer und Frauen Impulse oder Reize im Gehirn verarbeiten – auch bezüglich Bindung, Liebe und Liebesbeziehungen
2. Nervenchemie: Im Gehirn von Männern und Frauen werden unterschiedliche Mengen biochemischer Stoffe bezüglich Liebe und Bindung ausgeschüttet, die sich in den Körperzellen, dem Blut und im Gehirn ausbreiten.
3. Nervenstruktur: Männer und Frauen benutzen verschiedene Gehirnstrukturen beziehungsweise unterschiedliche Teile ihres Gehirn, wenn es um Bindung und Liebestaten geht.
4. Gehirnaktivität: Der Blutfluß in die verschiedenen Regionen des Gehirns von Männern und Frauen (die Teile des Gehirns die verliebt sind und in Bindung gehen) ist unterschiedlich und hängt vom Reiz und der Aktivität ab und beeinflusst, was Männern beziehungsweise Frauen Freude bereitet, sie zufrieden stellt und was sie als Belohnung empfinden.

Sowohl Männern, als auch Frauen wollen und brauchen Liebe und Körperkontakt. Die Art und Weise, wie auch die Häufigkeit der benötigten körperlichen Nähe und der Ausdruck von Liebe variiert jedoch beträchtlich.

Unterschiedliche Nervenverarbeitung bei Männern und Frauen

Männern tendieren dazu Lebens- und Liebesereignisse 6 1/2 fach häufiger durch graue Gehirnmasse zu verarbeiten als Frauen. Graue Gehirnmassenverarbeitung bedeutet, dass Informationsverarbeitungszentren im Gehirn aktiviert werden, die sich an bestimmten Stellen im Gehirn befinden.

Frauen verarbeiten Lebens- und Liebesereignisse fast 10fach häufiger als Männer durch weiße Gehirnmasse. Weiße Gehirnmassenverarbeitung nutzt die Vernetzung zwischen bestimmten Gehirnverarbeitungszentren. Die verschiedenen Zentren werden also miteinander verbunden.

Was bedeutet das für Problem-Gespräche zwischen Männern und Frauen?

Frauen springen hin und her zwischen Gedanken, Einsichten, Erinnerungen und Gefühlen. Sie sausen sozusagen hin und her in ihrem Gehirn, assoziieren eins mit dem anderen und verbinden alles miteinander. Ein so geführtes Gespräch erlaubt ihnen, Klarheit zu finden und das Geschehene zu verarbeiten. Männern macht dies oft schwindelig, wenn sie dem zuhören müssen. Es entsteht für Frauen eine intensive Intimität und Befriedigung durch diese Art der Kommunikation, wenn sie sich vom Gegenüber gehört fühlen. Alleine diese Art des Redens kann schon die Lösung für sie sein.

Männer hingegen benutzen einen spezifischen Teil ihres Gehirns, in welchem sie ein Problem durchdenken. Sie benennen das Problem und die Lösung nur aus diesem Teil des Gehirns heraus. Es wird keine Verbindung zu anderen Teilen des Gehirns hergestellt und auch nicht assoziativ zwischen Erinnerungen, Gefühlen, Gedanken etc. hin- und herumgesprungen. Es wird sehr sachlich-logisch vorgegangen. Männer sind, auf Grund dessen wie ihr Gehirn funktioniert, bestrebt, Gefühle herauszuhalten, wenn es um Problemlösungen geht und möglichst sachlich vorzugehen, damit der Person, die „in Not“ ist geholfen werden kann.

Es gibt ein sehr amüsantes fünfminütiges englischsprachiges Video von Mark Gungor, was diesen Unterschied sehr anschaulich auf den Punkt bringt. Titel des Videos: Men’s Brains & Women’s Brains – Mark Gungor – Relationship & Motivational Speaker, hier klicken, um zum Video zu gelangen.

Unterschiedliche Gehirnchemie bei Männern und Frauen

Was wird bei Männern und Frauen in emotionalen Konfliktsituationen im Gehirn an Hormonen ausgeschüttet, die sich dann im Gehirn, im Blut und in den Körperzellen ausbreiten und in welchen Mengen werden diese ausgeschüttet?

Ein wesentlicher Unterschied in stressvollen, emotionalen Konflikten zwischen Männern und Frauen ist, dass bei Frauen vor allem Oxytocin ausgeschüttet wird und bei Männern Testosteron.

Oxytocin ist unser Bindungshormon, was von Wissenschaftlern auch als „tend and befriend“ (etwa: kümmern und Beistand leisten)-Hormon bezeichnet wird. Frauen beginnen instinktiv zu umsorgen, sich emotional hinzuwenden und das zu tun, was ihrer Meinung nach nährend ist. Was chemisch im Gehirn abläuft ist folgendes: Durch den Stress wird das Blut mit dem Stresshormon Cortisol angereichert. Dieses sorgt dafür, dass der Adrenalinspiegel ansteigt, sowie auch das Bindungshormon Oxytocin. Dies führt wiederum dazu, dass die weiße Gehirnmasse aktiv wird, um möglichst viele Wege zu finden, durch die sich Frau kümmern kann und hilfreich zur Seite steht. Da es für Frauen in Problemsituationen hilfreich ist über das zu reden, was innerlich in ihnen abläuft, wollen sie nun natürlich vom Gegenüber hören, was in diesem abläuft. Ist das Gegenüber ein Mann, ist dies leider nicht der richtige Ansatz. Denn das Gehirn von Männern reagiert anders in Problemsituationen. Wie zuvor beschrieben, arbeitet das männliche Gehirn nicht assoziativ, sondern sachlich-lösungsorientiert, die Emotionen raushaltend.

Männern werden mit Testosteron überflutet, nachdem das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet wurde. Sie reagieren instinktiv in emotional stressigen Situationen mit Angriff/Verteidigung oder Flucht, je nachdem, wie das Gehirn die Situation interpretiert. Männer werden verbal oder physisch aggressiv oder herausfordernd, wenn Frau versucht verbal in sie zu dringen. Sie fühlen sich sozusagen in ihrem Territorium, als Person bedrängt. Hier spielt auch noch das Hormon Vasopressin eine Rolle, das sowohl für die Regulierung des Blutdrucks eine Rolle spielt, als auch die Paarbindung zu Sexualpartnern. Wenn sich ein Mann in seinem Territorium bedroht fühlt, wird Vasopressin unterdrückt, so dass weniger Paarbindung gespürt wird und stattdessen die erhöhte Testosteronausschüttung dafür sorgen kann, dass das Territorium verteidigt wird und geschützt bleibt. Die instinktive Reaktion ist die Stimme anzuheben, gegen die gefühlten Vorwürfen zu argumentieren, die Frau in ihrem Redefluss zu unterbrechen, in dem er ihr das Wort abschneiden oder er dreht sich einfach um und geht weg, bevor sie zu Ende geredet hat. Beides verletzt Frau enorm. Es ist jedoch keine vorsätzliche Verletzung, sondern eine instinktive Verteidigung, die hormonell gesteuert ist.

Diese unterschiedliche Hormonausschüttung sorgt auch dafür, dass Männer und Frauen etwas anderes als Empathie/Mitgefühl empfinden und entsprechend unterschiedlich agieren, wenn sie jemanden in (emotionaler) Not erleben.

Es gibt zwei Systeme im Körper die die Voraussetzungen schaffen, um Empathie, also Mitgefühl, empfinden zu können, zwei Systeme die dabei unterstützen sich in eine andere Person hineinversetzen zu können:

1. Spiegelneuronen > ein Spiegelneuron ist eine Nervenzelle, die beim Betrachten eines Vorgangs im Gehirn die gleiche Aktivität auslöst, als würde der Vorgang selbst ausgeführt. Auch Geräusche, die durch frühere Erfahrungen mit bestimmten Handlungen verknüpft sind, verursachen bei einem Spiegelneuron die gleiche Gehirnaktivität, als würde die Handlung selbst gerade ausgeführt werden. Spiegelneuronen helfen beim Erkennen eines Vorgangs, das bedeutet aber noch nicht, dass der Vorgang auch verstanden wird. Die Aktion wird lediglich nachvollziehbarer, da sie registriert wird. Sie legen sozusagen den Grundstein für ein soziales Miteinander. Um sich in eine andere Person hineinzuversetzen oder gar deren Gefühle mitzuempfinden, werden andere Systeme gebraucht.

2. TPG (Temporo Parietal Junction System = Temporo-parietaler Übergang, der Übergang zwischen dem Temporal- und dem Parietallappen – also dem Schläfen- und dem Scheitellappen – der Großhirnrinde) > Das TPG ist Teil eines Netzwerks, welches Theory-Of-Mind-Netzwerk genannt wird. Zu diesem Netzwerk gehören unter anderem Regionen im Stirnhirn und im Scheitellappen, sowie der temporo-parietale Übergang (TPG). Diesem Netzwerk ordnen Wissenschaftler eine zentrale Rolle zu, wenn es darum geht, sich in andere hineinzuversetzen, also deren Handlungen zu verstehen und nachzuvollziehen. Wenn jemand etwas siehst oder ein Gefühl wahrnimmst, fängt das TPG an zu arbeiten.

Wie auf das Hineinversetzen in Andere reagiert wird, hängt nun wiederum von den eigenen instinktiven Bedürfnissen ab. Bei Frauen wird das Gehirnprogramm ausgelöst, was sich kümmert und beisteht (tend and befriend), und bei Männern jenes, was bei Problemen nach einer Lösung sucht, um Abhilfe zu schaffen. Bei Männern wird also der Analyse- und Lösungsfindungsteil im Gehirnaktiviert. Dies sind instinktive, natürliche Abläufe im Gehirn. Es ist die weibliche oder männliche Art der Empathie.

Unterschiede in der Gehirnstruktur zwischen Männern und Frauen

Forschungsergebnisse, auf dem Stand von 2014 belegen, dass es hunderte von strukturellen Unterschieden in den Gehirnen von Frauen und Männern gibt. Viele davon sorgen dafür, wie und wann das Belohnungshormon Dopamin ausgeschüttet wird. Instinktiv und gehirnchemisch erleben Männern und Frauen Belohnungen durch Liebe, Sicherheit, Trost und Selbst unterschiedlich. Es bedeutet, dass sie sich durch etwas anderes geliebt fühlen, durch etwas anderes Sicherheit empfinden, ihnen etwas anderes Trost spendet und ein anderes Bedürfnis bezüglich des eigenen Selbst haben.

Der Hippocampus, welcher unser primäres Erinnerungszentrum ist, ist bei Frauen normalerweise größer als bei Männern. Zusätzlich bestehen bei Frauen normalerweise zwischen dem Hippocampus und den emotionalen und sensorischen Zentren des Gehirns mehr Verbindungen als bei Männern. Auch die Sprachzentren funktionieren unterschiedlich in Männern und Frauen und sind an anderen Stellen lokalisiert. Frauen haben in beiden Gehirnhemisphären Sprachzentren. Sie verbinden Worte mit Gefühlen und ihren eigenen sensorischen Erfahrungen. Frauen fühlen sich gut, wenn sie sich an sensorische und emotionale Details erinnern, Erinnerungen an emotional verbindende Ereignisse haben und diese Erinnerungen verbalisieren. Dieses sich gut fühlen hat mit der Ausschüttung des Belohnungshormons Dopamin zu tun. Bei Männern wird Dopamin ausgeschüttet, wenn sie etwas vollbringen, was ihnen einen Wettbewerbsvorteil bringen kann oder ihnen zu mehr Ansehen verhilft. Deshalb ist es Männern wichtiger, sich an Fakten zu erinnern und Informationen zu verarbeiten. Sie empfinden es als befriedigend, wenn das, was sie aussprechen, in ein logisches Modell oder System paßt. Es kann ihnen später bei einer Problemlösung nützlich sein oder sie dabei unterstützen, dass sich die Menschen drumrum sicher fühlen. Männer haben ihre Sprachzentren vor allem in der linken Hirnhemisphäre und verbinden ihr Gehirn dort mit den Details von Intimität, Liebe, Gefühlen und sensorischen Informationen. (Die linke Hirnhemisphäre verarbeitet Informationen eher rational, sprachlich, analytisch, zeitlich linear und logisch. Die rechte Hirnhemisphäre verarbeitet Informationen eher ganzheitlich, bildhaft, musisch, kreativ, intuitiv, zeitlos, räumlich, emotional und körperorientiert. Die Schwerpunkte beziehungsweise Präferenzen in der Methodik der Informationsverarbeitung sind in den Hemisphären unterschiedlich, es bedeutet aber keine exklusive Zuständigkeiten. Beide Hemisphären arbeiten zusammen.)

Geht ein Paar gemeinsam zu einem sozialen Treffen, dann wird die Frau sich direkt danach in der Regel an farbliche Einrichtungs- oder Dekorationsdetails erinnern, Inhalte von Gesprächen, wer mit wem wie in Beziehung steht oder wie es um eine bestimmte Beziehung steht und wie sie sich selbst während des Treffens zu verschiedenen Zeitpunkten gefühlt hat. Männer fallen diese Details seltener auf. Sie konzentrieren sich auf etwas anderes. Vielleicht erhalten sie wertvolle Informationen, die sie später für etwas Bestimmtes nutzen können oder sie tauschen sich mit anderen Männern über die aktuellen Fußballergebnisse oder Aktienverläufe aus oder erzählen einander, was sie erfolgreich vollbracht haben. Wettbewerb und Status. „Meine Familie, mein Haus, mein Auto, …“

Unterschiede in der Gehirnaktivität und im Blutfluß im Gehirn von Männern und Frauen

Der größte Unterschied zwischen der Aktivität der Gehirne von Männern und Frauen besteht darin, dass das Gehirn von Frauen stets aktiv ist und das von Männern Ruhephasen hat, in dem sie Abstand von Stress und Lebensaktivitäten nehmen. Die Gehirne von Frauen sind ständig mit dem Leben und mit dem Herstellung von Intimität, also Verbindung zu Anderen, beschäftigt, während das Gehirn von Männern mehrere Phasen am Tag hat, an welchem es praktisch komplett abschaltet und sich nicht um Verbindungen im Allgemeinen oder diese halten oder aufbauen kümmert.

Gehirnaufnahmen von Männern und Frauen in Ruhephasen zeigen, dass über die Hälfte des Gehirns von Frauen weiterhin aktiv ist und Männer ihr Gehirn sozusagen auf Knopfdruck abstellen können, zumindest in den Bereiche die für Gefühle, Beziehung, Sprache, Erinnerung und Intimität zuständig sind.

Das folgende Bild zeigt dies deutlich. Links das weibliche Gehirn im Ruhezustand, rechts das männliche Gehirn im Ruhezustand. (Gehirnscans von Dr. Daniel Amen – dieser hat über 21000 Gehirnscans durchgeführt)

GurianBrains-ohne Text

Wie anfangs erwähnt, gibt es Ausnahmen dieser Regeln. Es gibt Frauen deren Gehirne „männlicher“ funktionieren und Männer deren Gehirne „weiblicher“ funktionieren. Untersuchungen haben gezeigt, dass Gehirne von „weiblicheren“ Männern zwar im Ruhezustand aktiver sind, als die von „männlichen“ Männern, dass die Gehirne „weiblicher Männer“ trotz allem ruhiger sind, als die Gehirne von Frauen im Allgemeinen.

Nützlichkeit und Emotionalität

Neueste Studien haben zudem ergeben, dass es zwischen Männern und Frauen Unterschiedliche Bedürfnisse gibt in Bezug auf Nützlichkeit und Emotionalität.

Je „männlicher“ das Gehirn eines Mannes ist, desto mehr tendiert er dazu Wert auf Nützlichkeit zu legen. Das bedeutet, dass eine Partnerschaft für ihn langfristig ein sicherer und stabiler Ort ist, in welchem er liebt und geliebt wird, Sex hat, evtl. Kinder großzieht, Hobbies hat, entspannt, das Leben genießt und andere (er)nährt. Die Menge verbaler und emotionaler Intimität ist mit zunehmenden Jahren der Partnerschaft immer weniger bedeutend für ihn. Je länger die Partnerschaft andauert, desto höher steigt der Status und Wert des Mannes. Dies wiederum führt zur Ausschüttung des Belohnungshormons Domamin.

Für Frauen ist eine Partnerschaft hingegen dann erfolgreich, wenn eine emotionale Verbindung besteht. Je „weiblicher“ das weibliche Gehirn ist, desto wichtiger ist es für sie, dass in der Partnerschaft tägliche verbindende Aktionen und Gespräche stattfinden. Sie muß sich emotional erfüllt fühlen. Für sie geht es nicht um Nützlichkeit/Zweckmäßigkeit. Sie will keine Zweckgemeinschaft, sondern eine emotionale Gemeinschaft. Sie braucht es, dass sie gesagt bekommt, dass sie geliebt wird, sie braucht Verabredungen mit ihrem Partner und andere sensorische, emotionale und psychologische Momente, die romantisch sind und in der die gemeinsame Liebe gepflegt wird. Hierdurch entsteht für sie Nähe und Verbundenheit. Nur dann fühlt sie sich wertvoll und wird vom Belohnungshormon Dopamin überflutet.

Auf Grund dessen wie das männliche und weibliche Gehirn und dessen Hormonausschüttung funktioniert, fühlen sich Frauen sicherer und besser umsorgt, wenn sie starke emotionale Verbindungen mit anderen Frauen und Männern haben und eine besondere Verbindung zu dem eigenen Partner (oder wenn sie gleichgeschlechtlich liebt: zu der eigenen Partnerin). Männer fühlen sich sicherer und besser umsorgt, wenn sie durch familiensichernde Maßnahmen einen Statusgewinn erzielen und sich mit anderen Herausforderern messen und verbünden können, die ebenfalls um Statusgewinn durch ihre eigenen familiensichernden Maßnahmen bemüht sind.

Emotionale Sicherheit und Emotionale Belohnung bedeutet für Frauen demnach etwas ganz anderes als für Männer. Und genau diese „biologischen“ Unterschiede führen oft zu Konflikten und gegenseitigem Unverständnis.

Die Konsequenz ist, dass Frauen sich durch emotionale Gemeinsamkeit wohl und sicher fühlen und Männer durch routinemäßige Abläufe, in denen jedeR seinen eigenen Aktivitäten nachgeht und dafür gesorgt ist, dass alle physisch sicher und versorgt sind.

Wie kann ein Paar beiden Bedürfnissen gerecht werden?

Es braucht, wie immer, ein Treffen in der Mitte, eine Balance zwischen Nähe und Distanz, sowohl emotional, als auch physisch.

Was können Männer tun, damit Frauen zufrieden gestellt werden in ihren instinktiven, biochemischen Bedürfnissen? Es braucht ein Bemühen um mehr emotionale Verbundenheit seitens der Männer für ihre Frauen.

* Geht möglichst ein Mal wöchentlich miteinander aus.
* Bringe deiner Frau mindestens 1x/Monat oder zumindest zu wichtigen Ereignissen Blumen oder eine andere Aufmerksamkeit mit – etwas was ihr etwas bedeutet (nicht etwas was dir als Partner gefällt).
* Achte beim Sex darauf, dass auch sie befriedigt ist, was eventuell bedeutet, dass vor dem Liebesakt bestimmte Vorbedingungen erfüllt sein müssen und während des Liebesakts auch auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird.
* Wertschätze täglich was sie für dich und eventuell den Rest der Familie tut und wertschätze sie bedingungslos als Person. Sage ihr konkret, was du an ihr als Person wertschätzt.
* Sage ihr täglich, dass du sie liebst.
* Höre ihr zu, wenn sie dir mitteilt, was in ihr vorgeht, ohne Kommentare oder konkrete Lösungsvorschläge zu machen, außer sie fragt dich danach. Laß sie zu Ende reden. Es macht für sie einen Unterschied, ob du ihr aufmerksam zuhörst oder ob es eine ihrer Freundinnen tut.

Was können Frauen tun, damit Männer zufrieden gestellt werden in ihren instinktiven,
biochemischen Bedürfnissen?

* Fange in emotional problematischen und/oder stresserfüllten Situationen keine Diskussionen mit deinem männlichen Partner an. Sprich in entspannten Situationen das an, was in dir vorgeht und was für dich wichtig ist ihm mitzuteilen beziehungsweise was du von ihm wünschst oder brauchst. Probiere dich möglichst kurz zu halten und nicht ins kleinste Detail zu gehen, wenn es nicht wirklich relevant ist.
* Tausche dich über den Rest mit Freundinnen aus.
* Findet gemeinsame Aktivitäten, in denen es nicht vorrangig ums Reden geht, sondern ums Tun. Macht diese am besten wöchentlich zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die meisten Männer schätzen Struktur/feste Abläufe.
* Männer reagieren sehr empfindlich auf Kritik, denn es kratz ihren Stolz und Status an. Wertschätze ihn täglich für das, was er für dich und eventuell die Familie tut, wie er für euch sorgt und tue das auch vor anderen.
* Lass ihm Zeiten, in denen er Sachen alleine tut und unterbrich ihn nicht, wenn er in seiner Aktivität abtaucht. Spare Fragen oder Mitteilungen möglichst für später auf.
* Das männliche Gehirn braucht etwas Zeit zum Abschalten, wenn der Mann nach einem Arbeitstag nach Hause kommt. Er tankt in dieser Zeit auf. Erst dann kann er wieder voll in Beziehung treten. Vielleicht setzt er sich ein Weile vor den Fernseher oder den Computer oder macht etwas im Garten. Lass ihm die Zeit, wenn es organisatorisch irgendwie möglich ist.
* Lass dich häufiger auf Sex ein, als du eventuell das Bedürfnis dazu verspürst. Dass die meisten Frauen ein geringeres Bedürfnis nach Sex haben ist ebenfalls hormonell bedingt (Es hat mit dem Testosteron- und Östrogenlevel in Männern und Frauen zu tun, wie stark der Drang nach Sex ist. Darauf werde ich hier jedoch nicht eingehen.) Bei den meisten Frauen kommt die Lust (erst) mit dem Tun. Die Lust kommt jedoch nur auf, wenn auf ihre Bedürfnisse eingegangen wird.

Die Art und Weise wie Männer und Frauen Partnerschaft leben wollen und ihre Liebe ausdrücken ist biochemisch bedingt unterschiedlich. Instinktiv wollen beide etwas Anderes. Beide wünschen sich Verbundenheit. Nur brauchen beide etwas anderes, um sich verbunden zu fühlen. Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass Veränderung und Annäherung unmöglich ist, weil im Gehirn das abläuft, was dort abläuft. Die instinktive Reaktion ist eine andere. Allerdings sind wir Menschen lernfähige Wesen und wer liebt, möchte, dass der/die Partner*in glücklich ist. Dafür sind wir bereit über uns hinauszuwachsen. Dies ist nötig, wenn es langfristig miteinander funktionieren soll und die Anziehung bestehen bleiben soll. Beide machen Schritte aufeinander zu, nehmen aber auch die Andersartigkeit des/r Anderen an. Es gibt Zeiten der Nähe und Zeiten der Distanz – emotional wie physisch, damit beide Individuen bleiben, die gleichzeitig auch ein stabiles Wir (er)leben.

Ich bin neugierig zu erfahren, wie es dir mit der Umsetzung geht und/oder auch was der Artikel in dir auslöst. Schreibe mir darüber. Nutze dafür, wie auch für Fragen, Anregungen oder Wünsche für zukünftige Blogartikelthemen, gerne das Kommentarfeld. Und wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn mit anderen Menschen, damit auch sie ihn lesen können und vielleicht davon inspiriert werden. Wenn du bei der Umsetzung eine Zeit lang Unterstützung wünschst, dann melde dich und mache einen ersten Termin mit mir ab – alleine oder zusammen mit deinem/r PartnerIn.


Dienstag, 14.Juni 2016

warum ich den Blog führe

Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaftserfahrungen, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an.
Einige meiner Reflexionen teile ich hier.

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