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Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Umgang mit Reizthemen in der Partnerschaft


In fast jeder Partnerschaft gibt es ein Reizthema. Am liebsten wird nicht darüber gesprochen, da sonst Spannung und eventuell Streit vorprogrammiert ist.

Bei manchen ist das Reizthema die eingestandene oder uneingestandene Abhängigkeit (Zigaretten, Alkohol, Marihuana, Drogen, Pornos schauen, Computerspiele, Glücksspiel etc.) eines Partners, bei anderen ist das Reizthema vielleicht die Sexualität, Eifersucht, die Schwiegermutter oder die unterschiedlichen Auffassungen über die Ordnung in der gemeinsamen Wohnung oder dem gemeinsamen Haus.

Ansprechen oder schweigen?

Die Person die in der Partnerschaft das Verhalten der anderen Person bedenklich bis unmöglich findet und Schwierigkeiten damit hat, befindet sich meist in einer Zwickmühle. Wenn du beispielsweise mit dem Zigarettenrauchen deines Partners Probleme hast und es nicht ansprichst, dann könnte in dir die Sorge entstehen, dass dein Partner den Eindruck hat, dass du es nicht ansprichst, da du kein Problem (mehr) damit hast. Wenn du es aber ansprichst, dann fühlt sich dein Partner unter Umständen kritisiert und unter Druck gesetzt und es ist gut möglich, dass er dann erst recht weiter raucht oder den Konsum sogar steigert. Er fühlt sich in seinem Freiraum bedroht und verteidigt ihn deshalb, in dem er noch mehr raucht. Ihm zu erklären, dass diese Reaktion kindisch ist und er dadurch auch nicht frei entscheidet, sondern im Gegenteil trotzig-rebellisch dagegen angeht hilft selbstverständlich nicht weiter. Eine frei Entscheidung wäre, wenn er in sich reinhorcht und entscheidet: Was will ICH wirklich, unabhängig von dem was andere sagen oder wollen – weiter rauchen oder aufhören? Was bräuchte ich, um mein Verhalten zu verändern? Diese losgelöste Reflexion ist leider selten möglich. Die Umsetzung der Entscheidung zudem nicht immer einfach.

Ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst?

Zunächst solltest du für dich als Person, die ein Problem mit dem Verhalten deines Partners/deiner Partnerin hat, erforschen, warum du bei diesem Thema so empfindlich bist.
Im Folgenden benennen ich eine Auswahl möglicher Reizthemen und spekuliere, was Gründe dafür sein könnten, warum es für jemanden ein Reizthema ist. Versuche dich selbst in die Situation hineinzuversetzen. Es ist gut möglich, dass deine Gründe ganz andere sind, warum dich etwas stört.

* Zigaretten rauchen – Der Geruch und Geschmack ist unangenehm. Du möchtest dann keine Nähe, da du das körperlich als abstoßend empfindest., Dein Partner verschwindet für’s Zigaretten rauchen und es stört dich, dass er einfach immer wieder abwesend ist, unter Umständen sogar in emotional aufgeladenen Situationen, wo du gerne etwas klären würdest. Du empfindest es als Flucht aus eurer Nähe. > Insgesamt stört es dich, da du den Eindruck hast, dass dadurch weniger Nähe und Verbundenheit zwischen euch ist, als du dir wünschen würdest.
* Schwiegermutter – Das Verhältnis zwischen dir und der Schwiegermutter ist gespannt, du fühlst dich von ihr nicht willkommen, dein Mann mischt sich zwischen dir und deiner Schwiegermutter nicht ein, trifft sich regelmäßig mit ihr und hilft ihr umgehend, wenn sie Hilfe braucht. > Du würdest dir wünschen, dass dein Mann seiner Mutter Grenzen setzt, sich für dich einsetzt und dafür sorgt, dass sie dir freundlich begegnet., Du hast den Eindruck, er ist nicht abgenabelt von seiner Mutter. Sie scheint weiterhin eine wichtigere Rolle zu spielen als du. Das schmerzt. Du hast das Bedürfnis, dass er ihr klar macht, dass du nun die wichtigste Frau an seiner Seite bist und sie sich beispielsweise euren Zeitplänen anpassen muß.
* Computerspiele mit virtuellen Realitäten – Dein Partner sitzt täglich am Computer und bewegt sich in virtuellen Realitäten, in denen er sich eine andere Identität aufgebaut hat und im Austausch ist mit anderen virtuellen Personen. > Ihr kommuniziert kaum noch. Eure Sexualität ist eingeschlafen. Er flirtet dort, statt mit dir und hat seine sozialen Kontakte fast ausschließlich online. > Du hast den Eindruck, dass er dich als Person nicht mehr wahrnimmt und den Bezug zu eurer Realität verloren hat. Dich schmerzt der Verlust der Verbundenheit. Du hast den Eindruck er flüchtet aus eurer Partnerschaft und holt sich das, was er will virtuell von anderen, statt mit dir in Kontakt und in Kommunikation zu gehen, so dass ihr miteinander schauen könnt, was es braucht, damit ihr wieder zueinander findet.

Was ist euer Reizthema? Was genau stört dich daran? Welches Bedürfnis von dir wird dadurch nicht erfüllt? Was ist deine Sehnsucht in eurer Verbindung? Warum? Was würde dadurch in dir genährt werden?

Für das eigene Wohlsein sorgen.

Egal welches Thema in der Partnerschaft Reizthema ist, weder ewiges jammern noch totschweigen und innerlich weitergrollen sind die Lösung. In beiden Fällen schenkst du dem Thema weiterhin negative Aufmerksamkeit und pumpst damit Energie hinein. Dadurch bleibt es in deinem inneren Gesichtsfeld und beherrscht deine Gedanken. Das worauf du dich emotional ausrichtest, wird wachsen. Innere Anspannung und Unzufriedenheit ist vorprogrammiert. Lasse also am besten ständiges kontrollieren, nachfragen und beklagen.

Sinnvoller ist es, dich zurückzuziehen, wenn dein Partner/deine Partnerin ein Verhalten an den Tag legt, welches dir nicht gut tut und dann etwas zu tun, was dafür sorgt, dass du dich wohl fühlst mit dir selbst.

Sei es, dass du ein Bad nimmst, spazieren gehst, meditierst, dich mit einer Freundin oder einem Kumpel zum Kino triffst, fröhliche Musik auflegst oder was auch immer dafür sorgt, dass du gut bei dir ankommst und du auf andere Gedanken kommst.

Kämpfen oder beschenken lassen?

Selbstverständlich ist es wichtig, dass das Thema nicht zu einem Tabuthema wird und somit ein Kommunikationsloch entsteht, das umgangen werden muß, damit ihr nicht miteinander in Abgründe stürzt.

Sprich in einem entspannten Moment und in einer ruhigen Stimme an, warum du dich zurückziehst. Dafür ist es natürlich wichtig, dass du vorher reflektiert hast, was in dir innerlich vorgeht und was dein Bedürfnis ist. Mach daraus aber keinen Vortrag, sondern halte es kurz. Sage, was dir an dem Verhalten nicht gut tut und dass du dich deshalb zurückziehst und was dein Bedürfnis ist (z.B. als Person gesehen zu werden – woran würdest du das merken? – und Verbundenheit zwischen euch – was bedeutet für dich Verbundenheit?). Und dann wechsle das Thema. Lasse Vorwürfe auf jeden Fall weg, bleibe bei dir. Wenn allerdings ein echtes Interesse von deinem Partner/deiner Partnerin besteht, dass ihr euch darüber austauscht, wie es jeder/m von euch mit dem Thema geht und beide eine Lösung finden wollen, mit der beide zufrieden sind, dann kann das Gespräch auch länger werden.

Du kannst niemanden dazu zwingen ein Verhalten zu ändern. Die Entscheidung muß von jeder Person selbst gefällt werden. Manche sind bereit an sich zu arbeiten und kurzfristige Befriedigung sein zu lassen, da sie sehen und spüren, dass es eine lohnenswertere langfristige Befriedigung bringt, wenn sie es tun. Wenn diese Einsicht stattfindet, Schritte dahingehend unternommen werden, dass sich das Verhalten verändert und es dann tatsächlich irgendwann erreicht ist, dann ist das ein großes Geschenk. Hast du nicht auch den Eindruck, dass es seltsam ist für den Erhalt eines Geschenkes zu kämpfen, durch Streits und Nörgeleien? Geschenke müssen freiwillig gegeben werden, damit sie wirklich von Herzen kommen können.

Natürlich besteht keine Garantie, dass dein Partner/deine Partnerin das Verhalten, was dich stört, abstellt. Wenn es langfristig zu keiner Annäherung kommt, dann ist es sinnvoll, dass du für dich entscheidest, ob du bereit bist, dich damit zu arrangieren oder nicht. Wenn es deinen Werten zu sehr entgegenläuft, es auf Dauer nicht tolerierbar ist für dich, du zu sehr dadrunter leiden würdest und dein dauerhaftes Wohlergehen dadurch gefährdet ist, dann ist zu überlegen, ob eine Fortführung der Partnerschaft sinnvoll ist.

Ich hoffe du hast ein paar hilfreiche Anregungen gefunden. Ich bin neugierig, ob dir die Umsetzung gelingt und ob es etwas in eurer Verbindung ändert. Teile deine Erfahrungen gerne im Kommentarfeld mit mir und anderen LeserInnnen. Wenn du Wünsche für spätere Blogartikel hast, dann teile mir dies ebenfalls dort mit. Dir hat der Artikel gefallen? Teile ihn gerne mit anderen und abonniere meinen Blog.


Montag, 5.September 2016

warum ich den Blog führe

Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaft, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an.
Einige meiner Reflexionen teile ich hier.

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