Blog

Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Soll ich es sagen oder lieber doch nicht?


Fällt es dir schwer zu dem zu stehen was du fühlst, interpretierst oder tun möchtest? Oder hast du den Mut zu dem zu stehen, was in dir vorgeht und es klar auszusprechen?

Kennst du die Situation, dass du dich mit jemandem verabreden willst und der/die Andere fragt dich: „Auf was hast du Lust? Was möchtest du gerne machen?“ Sehr entgegenkommend oder? Jein. Es KANN entgegenkommend sein. Es kann aber auch darauf hindeuten, dass die Person die fragt sich nicht traut selbst einen Vorschlag zu machen, sich keine Gedanken gemacht hat oder ihr/ihm selbst nichts einfällt.

Was heißt eigentlich Eigenverantwortung übernehmen?

Eigenverantwortung übernehmen bedeutet schlicht und ergreifend zu dem zu stehen, was du fühlst, wahrnimmst, denkst, interpretierst, tun möchtest oder dir wünscht. Das ist nicht immer einfach und braucht für viele Menschen Mut und Übung. Dazu stehen bedeutet es auszusprechen. Es bedeutet nicht, dass es dann auch umgesetzt werden muß oder unverrückbar ist. Es ist nicht DIE Wahrheit, aber die eigene Wahrheit, auf die jede*r ein Recht hat und mit der jede*r ernst genommen werden möchte, im Sinne von: es wird gehört und als das, wie es für dich ist, stehen gelassen.

Traust du dich deine eigene Wahrheit auszusprechen?

Manchen fällt das ganz leicht. Sie scheinen sich dabei nichts zu denken. Sie sind gerade heraus und mögen es oft auch, wenn andere dies tun. So weiß jede*r woran er/sie ist und es kann eine gemeinsame Lösung oder Wahrheit gefunden werden oder eine gemeinsame Entscheidung gefällt werden.

Für Menschen, die sich schwer damit tun zu ihrer eigenen Wahrheit zu stehen, wirken diese „Gerade-Heraus-Menschen“ manchmal etwas forsch oder überfahrend, teils auch als Raum einnehmend oder bestimmend.

Solltest du zu den Menschen gehören, denen es eher schwer fällt zu sagen, was du dir wünschst, was du gerne machen würdest, was du fühlst oder wie du etwas empfindest, dann stell dir jetzt ein mal die Frage: Warum fällt es mir schwer geradeheraus zu sagen, was in mir vorgeht?

Was ist der Vorteil, wenn du es nicht aussprichst?

Der wohl häufigste Grund etwas nicht auszusprechen ist die Angst vor den Konsequenzen. Viele haben es sicherlich bereits in der Kindheit erlebt, dass sie getadelt wurden für das, was sie frei heraus gesagt haben, spontan gemacht haben oder dafür, dass sie ihre Gefühle kraftvoll ausdrückten. „Sei nicht so frech.“, „Sei nicht so laut.“, „Nimm doch Rücksicht.“, „Das macht man nicht.“, „Sei lieb.“, „Sei brav.“, „Das machst du ganz falsch.“, „Stell dich in die Ecke/Geh in dein Zimmer und komm erst wieder, wenn du dich beruhigt hast.“, „Reiß dich zusammen.“, „Du machst, was ich dir sage.“ etc.

Fallen dir spontan ein paar Sätze ein, die du selbst wiederholt zu hören bekommen hast?
Überleg dir nun auch, was die Konsequenzen waren, wenn du diese*n Satz/Sätze zu hören bekamst. In den meisten Fällen führte es zu Liebesentzug und/oder Ausschluss. Das wünscht sich kein Baby/Kind und drum ziehen wir schon in frühem Alter unsere meist unbewußten Schlüsse und fällen ebenso unbewußte Entscheidungen darüber, was wir zukünftig tun oder lassen.

Jeder Mensch möchte dazugehören und geliebt werden.

Selbst die, die vorgeben, dies nicht zu wollen oder es so tief in sich vergraben haben, dass sie es nicht mehr spüren, wünschen sich im tiefsten Inneren sehnlichst genau das. Geliebt und angenommen werden, so wie du bist. Was löst es in deinem Körper aus, wenn du dir das vorstellst? Entspannung?, Ruhe?, Frieden?, Frei atmen?

Dir selbst eingestehen, was in dir vorgeht.

Wenn du zu den Menschen gehörst die eher abwarten, was jemand anders vorschlägt, dann schlage ich dir vor, dass du das nächste Mal, wenn du drauf und dran bist jemanden zu fragen, was er/sie gerne machen möchte, was er/sie über etwas bestimmtes denkt oder wie er/sie etwa empfunden hat kurz innezuhalten und erst ein mal dich selbst wahrzunehmen. Nimm dir die Zeit die es braucht, damit du eine Ahnung oder auch eine Klarheit darüber bekommst, was DU über etwas denkst, wie etwas für dich war/ist, was dir jetzt gut tun würde oder was du gerne machen möchtest. Tu so, als wäre alles erlaubt und als müßtest du keine Rücksicht nehmen. Was wäre dann?

Und dann sprich aus, was in dir vorgeht!
Und wenn du möchtest, dann frag die andere Person, was sie davon hält oder was in ihr vorgeht, was sie denkt, fühlt oder möchte.

Und sollte die Person schneller sein als du mit dem Fragen, dann nimm dir auch die Zeit und antworte ehrlich.

Raus aus der Opferrolle. Rein in die Eigenverantwortung.

Und hier noch eine weitere Anregung:

Das nächste Mal, wenn du dich zurückgestoßen fühlst, genervt, unter Druck gesetzt oder verletzt, dann halte inne und spüre dem nach, was in dir vorgeht. Wie reagiert dein Körper?, Was denkst du (über den/die Andere*n)?, Wie interpretierst du das, wodurch deine Reaktion ausgelöst wurde?, Wie alt fühlst du dich in dem Moment?, Erinnert es dich an Situationen von früher?

In der Regel ruft etwas nur dann eine starke emotionale Reaktion in dir aus, wenn ein alter Schmerz berührt ist. Dieser alte Schmerz muß dir nicht bewußt sein. Aber es würde nicht weh tun, wenn es nichts mit dir zu tun hat.

Wenn dir jemand eine Beleidigung an den Kopf wirft von der du ganz klar spürst, dass er/sie damit falsch liegt, dann ist es gut möglich, dass dich das nicht weiter berührt. Du findest es vielleicht unangemessen und empfindest den/die Andere/n vielleicht als respektlos, aber es kann an dir abprallen.

Du kannst entscheiden, was das Verhalten oder die Aussage von jemand anderem mit dir macht.

Es ist nicht die Schuld des anderen, wie du darauf reagierst.

Es bringt niemandem etwas, wenn du beispielsweise bockig, beleidigt oder vorwurfsvoll reagierst. Das wäre ein agieren aus dem verletzten Kind heraus. Und das wird spontan oft passieren. Wenn du an deiner wunden Stelle „berührt“ wirst, dann reagierst du meist sofort automatisch, ohne darüber nachzudenken. Etwas in dir sieht sozusagen schwarz – oder rot. Es werden entsprechende Hormone ausgeschüttet und das „Automatikreaktionsprogramm“ wird abgespult. Das geht teilweise so schnell, dass du es noch nicht einmal schaffst zuzugucken, geschweige denn einzugreifen. Im ersten Moment scheint es also doch nicht so zu sein, dass du entscheiden kannst, was eine Aussage oder ein Verhalten von jemand anderem mit dir macht.

Mit etwas Übung ist das Eingreifen jedoch möglich und dann klappt es auch mit dem Entscheiden. Ein erster Schritt dahin besteht darin, dir darüber bewußt zu sein, dass es häufig unbewußt auf eine Art abläuft die unbefriedigend ist.

Erwachsenes Reflektieren

Halte also inne, nimm dich wahr, probiere zu erspüren, was in dir vorgeht und womit es zusammenhängt, dass du so stark reagierst. Beobachte dich, anstatt die andere Person mit deinen Interpretationen und Automatikreaktionen zu überschütten oder abblitzen zu lassen. Übernimm Verantwortung für das, was in dir vorgeht. Dies bedeutet zum einen, dass du dir darüber bewußt bist, dass es in dir eine alte Wunde berührt und du dem nachgehst wie oben beschrieben. Und es bedeutet außerdem, dass du sagst, was in dir vorgeht und wie du das interpretierst. Beispielsweise: Ich merke, dass ich mich anspanne, wenn du das sagst. Ich fühle mich zurückgestoßen, habe den Eindruck, ich gehe dir auf die Nerven, du willst deine Ruhe vor mir haben. Und dann frage die andere Person: Stimmt mein Eindruck? Gehe ich dir auf die Nerven? Willst du deine Ruhe vor mir haben? Auch das bedeutet Verantwortung übernehmen. Es genau wissen wollen. Fragen, bis du es verstanden hast.

Agieren, statt vortasten oder abwarten

Werde zum Akteur/zur Akteurin deines Lebens.

Du bist unglücklich mit einer Situation? Reflektiere, woran es liegt und was sich ändern müßte, damit du glücklich(er) bist. Vielleicht bedeutet das zu gehen, also mit einer Situation abzuschließen oder es bedeutet, dass du Bedingungen hast die erfüllt sein müssen, damit es dir möglich ist zu bleiben. Und dann sprich es aus, sowohl, dass du dich mit der aktuellen Situation nicht wohl fühlst, als auch, was sich ändern müßte.

Es steht ein Treffen bevor? Mach dir Gedanken, was du gerne mit der Person oder den Personen erleben möchtest. Mach einen oder mehrere Vorschläge.

Du hast eine Meinung zu etwas worüber gerade diskutiert wird? Sprich deine Meinung aus.

Du freust dich über etwas? Sprich es aus.

Du bist neugierig auf die Person neben dir? Sprich sie an.

Sei mutig und probier dich aus. Sicherlich wird es einige Male schief gehen, aber es wird auch diese Momente geben, in denen etwas Angenehmes dabei herauskommt und wenn es das Gefühl ist, dass du stolz auf dich bist, weil du dich getraut hast.

Ich wünsche dir viel Spaß beim anwenden und freue mich über Kommentare, Fragen und/oder Erfahrungsberichte. Nutze dafür das Kommentarfeld unter diesem Blogartikel. Und wenn du den Artikel magst, dann leite ihn gerne an andere Personen weiter. Vielleicht ist es ja genau der Anstoß, den jemand gerade braucht.


Montag, 9.November 2015

warum ich den Blog führe

Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaft, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an.
Einige meiner Reflexionen teile ich hier.

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