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Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Schönheit kreieren


„Hinterlasse den Ort schöner, als du ihn vorgefunden hast.“ Dieser Satz begleitet mich seit ich ihn Ende der 90er Jahre in meiner schamanischen Ausbildung wiederholt hörte.

Dieser Satz hat sich immer mehr auf vielen Ebenen entfaltet.

Wer was für schön empfindet und warum ist relativ. Über Schönheit kann nicht gestritten werden, denn Geschmäcker sind nun mal unterschiedlich. Wenn ich hier von Schönheit rede, rede ich zudem nicht nur von der äußerlich sichtbaren Schönheit (aber auch), sondern auch von der inneren Schönheit und der Schönheit von Beziehungen. Besonders die innere Schönheit und die Schönheit in Beziehungen berührt, sie ist wie ein Strahlen, welches Aufmerksamkeit erweckt und unwillkürlich Freude hervorruft. Manchmal ist diese Schönheit sofort offensichtlich, manchmal braucht es etwas, um diese wahrzunehmen.

Die Krux mit der Schönheit

Äußere Schönheit ist für einige sehr wichtig, für andere neutral und für wieder andere ist sie gar ein Zeichen von Oberflächlichkeit. „Es kommt auf die inneren Werte an und nicht auf den äußeren Schein.“ sagen die Einen. „Kleider machen Leute.“ sagen die Anderen. Nach meiner Auffassung ist es gesund, es mit der äußeren sehr subjektiven Schönheit so zu halten, wie mit vielen anderen Dingen: Es kommt auf ein gutes Mittelmaß an.

Bin ich zu sehr darauf fixiert, das alles klinisch rein und wie aus dem Mode- oder Wohndesign-Magazin aussieht, dann ist das wohl übertrieben. Sich gar nicht drum zu kümmern, wenig bis gar nicht zu putzen, die Dinge in der Wohnung stapeln und einstauben zu lassen und die eigene Kleidung erst nach mehrwöchigem Tragen zu waschen (natürlich vorausgesetzt es besteht eine Möglichkeit zum waschen und die Person besitzt mehr als das, was sie am Leib trägt), ist in meinen Augen ebenso bedenkenswert.

Wenn es darum geht mit dem inneren oder äußeren Erscheinungsbild andere zu beeindrucken oder andere zu schockieren, ist das in meinen Augen keine wünschenswerte Motivation.

Verschiedene Aspekte die zu Schönheit beitragen

Schönheit ist für mich vor allem ein Ausdruck von Verantwortungsübernahme, Respekt, Ehrung und Achtung – mir selbst gegenüber, dem mir Anvertrauten gegenüber oder eben einem Ort gegenüber, bei dem ich verweilen durfte oder mit welchem ich mich für eine Zeit vertraut gemacht habe. Das gilt auch für menschliche Beziehungen oder Beziehungen zu Tieren oder Pflanzen.

Erinnerst du dich an das Zitat aus Der Kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry: „Du bist für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“? (Der Fuchs gibt diese Weisheit dem Kleinen Prinzen mit. Solltest du das Buch nicht kennen, kannst du das überschaubare Kapitel hier lesen.).

* Verantwortungsübernahme bedeutet für mich, wie sicherlich auch für viele andere, eine Verpflichtung für die eigenen Taten und deren Konsequenzen zu übernehmen (anstatt die Schuld auf andere zu schieben, davon auszugehen, dass andere den Schlamassel ausbaden, den ich verursacht habe, etwas in Gang zu setzen und es dann einfach verkümmern zu lassen oder unausgesprochen anderen zu überlassen, dass sie sich drum kümmern oder mir gar keine Gedanken darüber zu machen, was die Konsequenzen von dem sind, was ich aus einer Laune heraus Lust hatte zu tun) und das zu tu tun, was notwendig ist oder auch gewissen Pflichten nachzukommen, auch wenn mir gerade nicht danach ist, weil es eben erledigt werden muss. Es bedeutet manchen Kurzzeitfreuden zu widerstehen, um der Langzeitfreude zu dienen.

* Respekt hat mit Rücksichtnahme zu tun und mit der Berücksichtigung beispielsweise anderer Perspektiven und Gefühle. Dies hat mit „über die eigene Nasenspitze hinausdenken“ zu tun. Es geht nicht nur um meine Empfindlichkeiten oder Wünsche oder Vorlieben, sondern auch um die Anderer. Selbstverständlich kann das übertrieben werden. Wenn ich immer nur darüber besorgt bin, ob ich irgendjemanden mit dem verletzen könnte, was ich tue oder wie ich mich verhalte, dann wird es extrem schwierig überhaupt zu leben – denn irgendjemanden wird es immer geben, dem es nicht paßt, wie ich etwas tue oder hinterlasse oder mit anderen Menschen umgehe. Es geht darum eine Balance zu finden zwischen mir selbst treu bleiben und aber deshalb nicht vorsätzlich anderen Menschen oder Dingen schaden.

* Ehren hat für mich mit Anerkennung, Wertschätzung und Dankbarkeit empfinden und ausdrücken zu tun. Ich erkenne etwas an, in dem ich annehme, dass jemand oder etwas so ist wie es/er/sie ist – egal ob ich damit übereinstimme oder nicht. Ich bin dankbar, dass etwas existiert, dass jemand für mich da ist, dass ich etwas zur Verfügung habe, es benutzen darf usw. Und ich wertschätze, also bewerte etwas positiv, das, wofür ich dankbar bin. Und weil ich beispielsweise dafür dankbar bin, dass mir etwas zur Verfügung steht (z.B. die Wohnung oder das Haus in dem ich wohne), drücke ich meine Wertschätzung dadurch aus, dass ich dafür Sorge trage, beispielsweise in dem ich regelmäßig putze und Dinge repariere, reparieren lasse oder ersetze (wenn nötig), wenn etwas kaputt ist.

* Achtung hat für mich mit der Anerkennung der Würde einer anderen Person zu tun, die es intakt zu halten gilt. Jeder Person und auch allen anderen Lebensformen, gebührt alleine dadurch Achtung, dass sie existieren.

Schönheit und Selbstwert

Wenn du körperlich ungepflegt und mit fleckiger Kleidung rumläufst, dann ehrst du weder dich selbst, noch zeugst du anderen Respekt gegenüber, denen du so begegnest.

Dir ist dieser Körper gegeben, der alles dafür tut für dich bestmöglich zu funktionieren. Bist du ihm dankbar dafür? Vielleicht denkst du: Ja, aber ich mag meinen Körper nicht, ich habe emotionale und/oder physische Schmerzen und habe furchtbare Dinge durchlitten oder tue es noch auf Grund dieses Körpers. Glaubst du es wird besser davon, dass du ihn hasst, verabscheust oder ablehnst?

Wann entfaltet und erstrahlt ein Kind? Wenn du es schlägst oder, wenn du es sich neugierig ausprobieren läßt und ihm eine Möglichkeit gibst sich bei dir körperlich anzukuscheln, wenn es das möchte?

Dein Körper ist ebenfalls dankbar, wenn du ihm dankbar bist für das, was er alles leistet, wenn du ihn liebst und Aufmerksamkeit schenkst und eben, wenn du ihn pflegst. Du bist es wert, dass du dich selbst pflegst, natürliche, unbelastete Nahrung zu dir nimmst und saubere, passende Kleidung trägst. Du darfst dich zeigen. Vielleicht war es irgendwann ein Mal gefährlich aufzufallen oder du warst gezwungen dich herauszuputzen wie ein Püppchen oder ein kleiner Soldat und hast nur dann Respekt von anderen erfahren oder bist nur dann ernst genommen worden, wenn du das tatest. Das ist traurig und verständlich, wenn du jetzt einen Widerwillen dagegen hast, dich zu pflegen und auf saubere, passende Kleidung wert zu legen. Fühle diese Gefühle des Widerwillens und kümmere dich trotzdem um dich. Lerne diese Gefühle in Schach zu halten. Es ist wie das Trainieren eines Muskels. Vielleicht hast du anfangs das Gefühl umzukommen oder zumindest dich sehr unwohl zu fühlen, wenn du es tust. Mit der Zeit kannst du dich jedoch von diesem Gefühl, dass du auf Grund dessen was du in der Vergangenheit mit anderen erlebt hast, befreien und zu dir selbst zurückfinden. Du bist es wert, dass du dich um dich kümmerst. Du darfst es dir wohl gehen lassen.

Und da jeder Mensch und jedes Lebewesen ein Geburtsrecht auf Achtung und Respekt hat, liegt es in deiner Verantwortung dich selbst und andere entsprechend zu behandeln und ihnen gepflegt gegenüberzutreten. Solltest du deinen Respekt vor anderen Menschen verloren haben, wirst du deine guten Gründe dafür haben. Frage dich jedoch: Trägt es dazu bei, dass sich der Respekt für andere wieder einstellt, wenn ich ihnen aus dem Weg gehe oder ich ihnen keine Wertschätzung entgegenbringe? Wie sieht es außerdem mit deinem Respekt dir selbst gegenüber aus, wenn du andere anders als wertschätzend behandelst?

Beziehungszwischenraum

Und damit wären wir bei der Schönheit menschlicher Beziehungen angekommen.
Besonders, aber nicht nur, in Liebespartnerschaften ist es auch deine Verantwortung für den Raum der zwischen euch besteht zu sorgen. Ihr gestaltet diesen Raum gemeinsam. Es geht hier vor allem um den emotionalen Raum, aber natürlich auch um den körperlichen, materiellen, geistigen, sexuellen und spirituellen.

Schließe für einen Moment die Augen, atme ruhig ein und aus, sinke in dein Herz und lasse ein Bild auftauchen (oder wenn du nicht visuell bist, dann nimm es anderweitig wahr) von dem Raum zwischen deinem/r aktuellen PartnerIn (oder wenn du alleine bist, von deinem/r letzten PartnerIn oder einem Elternteil) und dir. Wenn es eine Landschaft wäre, wie wäre diese? Gibt es da Krater oder blühende Blumenwiesen mit Hügeln und Aussichtspunkten? Scheint die Sonne oder herrscht Gewitter und Dauerregen? Gibt es Brücken, Inseln, tiefe Abgründe, hohe Berge, ruhige Seen? Gibt es Schlingpflanzen oder Bäume und Sträucher die Früchte tragen? Ist es eine Wüstenlandschaft, eher ein Dschungel oder eine karge Berglandschaft? Ist sie begrenzt oder weit? Was für eine Stimmung herrscht in ihr? Was nimmst du wahr? Gibt es Tiere? Welcher Art? Gibt es Gebäude, Höhlen oder einen andersartigen Unterschlupf? Wo befindet ihr euch in dem Ganzen? In der Nähe voneinander oder entfernt? Beobachte einfach, nimm an, was du wahrnimmst, ohne verändern zu wollen (auch wenn es dir vielleicht nicht gefällt) oder es festhalten zu wollen (weil es dir besonders gut gefällt) und lass zu, dass es sich entwickelt, wenn es sich weiterentwickeln will. Beschreibe dir selbst gegenüber innerlich, was du wahrnimmst. Ganz wertfrei, ganz ohne beurteilende Kommentare. Mach lediglich eine Bestandsaufnahme. Nimm dir Zeit dafür, nimm so viel von der Landschaft auf, wie dir möglich ist. Und dann lass eure innere Landschaft wieder verblassen oder entlasse sie auf andere Weise, atme ein paar Mal tief durch, spüre dein Herz und den Rest deines Körpers, bewege dich ein wenig und öffne wieder die Augen.

Dein Anteil an der Zwischenraumgestaltung

Jetzt hast du einen Eindruck, wie es um euren gemeinsamen Zwischenraum bestellt ist. Wirkt er schön auf dich? Ehrt er euch? Was kannst du dazu beitragen, dass dieser Zwischenraum schön wird? Was auch immer schön für dich bedeutet. Um bei dem Bild der Landschaft zu bleiben: Welche Landschaft fändest du schön und warum? Und welche Persönlichkeitszüge oder Verhaltensweisen würden dazu führen, dass sich genau diese Landschaft entwickelt und dass eine bestimmte Stimmung und ein bestimmtes Wetter darin vorherrscht? Übernimm die Verantwortung für deinen Anteil der Landschaftsgestaltung, also eurer Zwischenraumgestaltung. Sei ehrlich zu dir und frage dich, was du tust, damit eine andere Landschaft entsteht, als die, die du dir wünschen würdest? Und wie musst du sein, damit die Landschaft, also der Zwischenraum entsteht, die/den du schön findest. Wenn von Seiten deiner/s Partners/in die Offenheit dafür da ist, dann tauscht euch über die Landschaften aus, die ihr wahrgenommen habt, sowie über die Landschaften, die ihr schön fändet, als auch über das, was ihr jeweils selbst dazu beitragen müßtet, damit eine Landschaft entsteht, die ihr beide schön findet. Ihr seid es wert, dass eure Landschaft, euer Zwischenraum schön ist und euch ehrt.

Konkrete Aufgaben

Ich habe mir gestern die Aufgabe gesetzt, dass ich ab sofort meinem Verlobten offen und ruhig kommuniziere, was in mir vorgeht, wenn er etwas tut, was mich verletzt oder mir anderweitig schräg reinkommt, anstatt ihn offen oder innerlich zu kritisieren und damit unseren Zwischenraum zu vergiften – was ich auch tue, wenn ich ihn „nur“ innerlich mit meinen Urteilen über ihn überschütte. Es ist möglich, dass ich nicht immer sofort die Gelegenheit habe, ihm das mitzuteilen, was in mir vorgeht, aber ich kann ihm das auch erst mal innerlich mitteilen und dann bei der nächsten Gelegenheit real. Ich kann dafür sorgen, diese Gelegenheit zu schaffen. Allerdings ist es wichtig, dass ich ihn frage, ob er bereit ist mir seine Aufmerksamkeit zu widmen und dass er dies positiv beantwortet. Es ist möglich, dass es mir trotzdem manchmal passiert, dass ich ihn in einem Moment der Unbewußtheit kritisiere. Ich habe ihn darum gebeten, mich in den Momenten darauf hinzuweisen, damit es mir bewußt wird und ich ihm dann sagen kann, was in mir vorgeht.

Welche Aufgabe möchtest du dir setzen für heute, die nächste Woche oder den kommenden Monat?

Was gilt es für dich und/oder euch auf emotionaler, körperlicher, materieller, geistiger, spiritueller und sexueller Ebene zu entwickeln, damit euer gemeinsamer Zwischenraum schön wird? Was begeistert euch? Was läßt euch herzlich miteinander lachen? Was sorgt für eine tiefere Verbindung zwischen euch? Wie wollt ihr eure Umgebung gestalten? Wie viel Zeit wollt ihr miteinander verbringen? Wie wollt ihr euch begegnen und behandeln? Wie drückt ihr eure Liebe und Wertschätzung füreinander aus? Wie könnt ihr so miteinander kommunizieren, dass sich beide gehört und verstanden fühlen? Wie könnt ihr einander Freuden bereiten?

Übernimm Verantwortung für dich selbst und für euren gemeinsamen Zwischenraum, auch dann, wenn der/die andere es im Moment vielleicht noch nicht tut. Schaue, dass du deinen und euren inneren und äußeren Raum immer etwas schöner hinterläßt, als du ihn vorgefunden hast.

Ich freue mich, wenn du mit mir und anderen teilst, welche Aufgabe du dir gesetzt hast und wie es dir mit dieser geht. Du hast Fragen oder Anmerkungen zu dem Artikel? Hinterlass einen Kommentar. Dir hat der Artikel gefallen? Dann teile ihn mit anderen. Ich hoffe mein Artikel hat dich inspiriert. Viel Spaß und Erfolg bei der Anwendung.


Montag, 19.September 2016

warum ich den Blog führe

Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaftserfahrungen, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an.
Einige meiner Reflexionen teile ich hier.

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