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Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Kreative Partnerschaft


Im Trott der Partnerschaft gefangen?
Hier kommen ein paar Anregungen, was dabei helfen kann, die eigene Partnerschaft lebendig zu halten.

Es gibt Phasen in einer Partnerschaft, in der Aufbruchstimmung herrscht. Pläne für gemeinsame Aktivitäten werden geschmiedet und die Freude auf die gemeinsame Zukunft ist groß. Meist ist dies die verliebte, enthusiastische Anfangsphase. Bei vielen Paaren gibt es auch eine Phase in der Aktionismus herrscht. Es wird gemeinsam etwas unternommen. Und dann gibt es vermutlich auch bei den meisten Paaren die Phase des Entspannens, des Wirken lassens des gemeinsam Erlebten. Es wird wieder Kraft getankt, um dann wieder Pläne schmieden zu können, wieder etwas gemeinsam zu erleben und dann wieder zur Ruhe zu kommen und die Nachwirkungen zu genießen.

Leider kommt es immer wieder dazu, dass dieser natürliche Kreislauf an irgendeiner Stelle ins Stocken gerät.

Die drei Phasen des natürlichen Kreislaufs der Kreativität

Im Hinduismus gibt es drei männliche Hauptgottheiten. Brahma, Vishnu und Shiva. Sie sind auch bekannt als die Trimurti. Brahma ist der Erschaffer, Vishnu der Erhalter und Shiva der Zerstörer. Es braucht die Qualitäten von allen Dreien im Prozeß der Kreativität.

Brahma steht für die Phase des Erschaffen. Es ist die Phase des Träumens, der Vision, der Zukunftspläne. Es wird vielleicht innerlich in farbigen Bilder und überschwänglichen Gefühlen ausgemalt, wie es sein wird, wenn es dazu kommt. Oder frei rumgesponnen, wie es sein könnte und zu was es führt.

Eine Frage die helfen kann ist hier: Was würde ich mir wünschen, wenn alles möglich wäre?
In dieser Phase kann ein Gefühl der Aufregung und der Vorfreude entstehen. Es wird aus den eigenen Grenzen und Gewohnheiten gedanklich ausgebrochen.

Vishnu steht für die Phase des Erhaltens bzw. des Tuns. Es ist die Phase des Umsetzens. Es wird konkret etwas dafür getan, dass die Träume Wirklichkeit werden. Vielleicht braucht es Recherche und Schulung, um es optimal zu realisieren. Es wird das getan, was notwendig ist. Es wird sich gekümmert. In dieser Phase herrscht vor allem konkreter Aktionismus.

Eine Frage die helfen kann ist: Was ist der nächste sinnvolle Schritt beim Realisieren? Und genau das dann tun.

In dieser Phase können sich Gefühle der Befriedigung, des Stolzes, der Erfüllung einstellen oder, wenn es gemeinsam mit einer oder mit anderen Personen getan wird, der Verbundenheit.

Shiva steht für die Phase der Zerstörung bzw. des Loslassens oder des Setzenlassens. Es wird ein Gang runtergeschaltet, ausgeruht und das Werk betrachtet bzw. es wird Zeit gegeben es wirken zu lassen. In dieser Phase kann wieder Kraft gesammelt werden. Vielleicht ist dies auch eine Zeit der Reflexion über das was stattgefunden hat. Es ist wie als würdest du ein Stück zurücktreten und versuchen es in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Es entsteht Raum und Zeit, damit neue Inspirationen auftauchen können.

Eine Frage die helfen kann ist: Wie fühle ich mich mit dem was hinter mir liegt?

Es braucht den ewigen Kreislauf aller drei Phasen, um einen stetigen Fluß entstehen zu lassen. Wenn du in einer Phase zu lange verweilst oder zu schnell zur nächsten wechselst, dann kommt etwas ins Stocken oder ist noch nicht ausgereift, also unreif. Um bildlich zu sprechen: unreife Früchte sind ungenießbar – vielleicht noch zu hart oder die spätere Süße hat sich noch nicht herausgebildet und überlagerte Früchte sind vergoren oder verschimmelt. Beides ist unangenehm. Ich gebe zu, dass es bei Früchten vermutlich manchmal leichter ist zu erkennen, wann ein guter Moment ist, um sie zu essen, als klar zu spüren, wann es Zeit ist, in die nächste Phase der Kreativität überzuwechseln.

Gefahren in den drei Phasen

Bleibst du in der Phase des Träumens stecken, dann wirst du nichts realisieren und immer nur in Vorstellungen leben. Dir und anderen vorschwärmen wie schön doch alles sein könnte und vermutlich über die Zustände wie sie sind rumjammern. Das ist nicht sehr anziehend. Weder für die Menschen um dich herum, noch für das Leben, das dann vielleicht aufhören wird dir Gelegenheiten zur Umsetzung des Erträumten zu präsentieren. Ewiges Zaudern durch übertriebenes Abwägen hält auf der Stelle und läßt dich keine Schritte vorwärts machen. Wenn du es nicht selbst machst, dann wirst du dich mit dem zufrieden geben müssen, was dir andere oder das Leben präsentieren. Es ist möglich mit der Zeit in einer frustrierten Opferrolle zu landen. Vielleicht findest du immer wieder Ausreden, warum es noch immer nicht gut genug ist, warum es noch nicht der richtige Zeitpunkt ist zu beginnen, dich zu kümmern oder weshalb die Voraussetzungen noch nicht gegeben sind, um loszulegen, einfach weil du Angst hast, was passieren könnte, wenn du es anfängst. Hast du Angst vor dem Unbekannten oder vor den Reaktionen anderer?

Bleibst du in der Phase des Tuns stecken, dann wirst du vermutlich irgendwann total ausgebrannt sein. Deine Kräfte schwinden dahin. Du verlierst dich in Details, anstatt dir zwischendurch einen entspannten Überblick zu verschaffen. Vielleicht meinst du sogar, dass nur du weißt, wie es richtig geht und machst alles alleine, anstatt um Unterstützung zu bitten oder zu delegieren. Geschieht das aus einem falschen Stolz heraus oder aus einer Überzeugung, dass du nur etwas wert bist, wenn du aktiv bist? Brauchst du die ungeteilte Anerkennung?

Die Gefahren der Phase des Loslassen und Setzenlassens sind Zweierlei.
Eine Möglichkeit ist, dass es dir nicht gelingt loszulassen, dass du festhältst, obwohl mehr als offensichtlich ist, dass es Zeit wäre weiterzuziehen. Du verbeißt dich. Meinst du, du bist unersetzlich oder wüßtest als Einziger, was richtig ist oder schämst du dich für eine eventuelle Niederlage? Hast du Angst, dass es beim nächsten Versuch auch nicht besser wird? Oder hast du Angst vor der Leere die sich auftun könnte, wenn du losläßt?

Eine andere Möglichkeit ist, dass du dich von den Herausforderungen zu schnell abschrecken läßt und anstatt dir Hilfe zu holen, rennst du davon. Manchmal ist viel Ausdauer nötig und müssen die eigenen Fertigkeiten erweitert werden, damit geerntet werden kann. Glaubst du es wird langweilig oder zu anstrengend? Fühlst du dich dem nicht gewachsen?

Die drei Phasen der Kreativität in der Partnerschaft

Die Träumephase

Gibt es etwas, was ihr als Paar, in deiner aktuellen Partnerschaft oder einer vergangenen Partnerschaft, miteinander machen wollt(et)? Sei es ein Tanzkurs, ein Ausflug über’s Wochenende, eine Reise, eine Kajaktour, eine gemeinsame Wohnung finden, ein Hausbau, die Anschaffung eines neuen Sofas? Dir fällt sicherlich etwas ein. Oder geht es gar nicht um eine gemeinsame Aktivität, sondern eher um die Veränderung eines Zustandes? Z.B.: Wir machen uns gegenseitig so viele Vorwürfe und es wäre doch so schön, wenn wir friedlicher und achtsamer miteinander umgehen würden.

Wie macht ihr das mit dem Träumen? Macht sich jede*r für sich Gedanken? Tauscht ihr euch über eure Ideen aus? Macht ihr Vorschläge, was konkret getan werden könnte/müßte? Kommen die Vorschläge von beiden oder nur von einer Person? Macht ihr eine Planung, welche Schritte notwendig sind, damit es Realität werden kann? Wie lange braucht jeder von euch, damit der Traum reift und es dann in die Umsetzung gehen kann?

Die Phase des Tuns

Was tut ihr konkret dafür, um eure Vorhaben zu realisieren? Und wie tut ihr das? Legt ihr einfach los? Geht ihr strukturiert vor? Macht jede*r einen Teil? Stimmt ihr euch ab und es geht Hand in Hand? Macht ihr alles zusammen? Macht ihr so lange bis es zu Ende ist oder eure Kräfte schwinden? Geht ihr über eure Grenzen hinaus? Gönnt ihr euch Pausen? Seid ihr verbissen? Verliert ihr euch in Details? Behaltet ihr den Überblick? Habt ihr Freude an dem was ihr tut?

Die Phase des Loslassen bzw. Setzenlassens

Stürzt ihr euch so sehr ins Tun, dass ihr vergeßt zwischendurch Luft zu holen? Habt ihr Zeit zu integrieren, was ihr da an Inputs/Informationen bekommt? Bleibt ihr dabei, obwohl ihr merkt, dass es euch gar nicht gefällt? Wie geht ihr damit um, wenn es nur einer/m von euch gefällt? Könnt ihr genießen, was ihr tut? Habt ihr Spaß dabei? Nehmt ihr euch Zeiten der Reflexion? Wie geht ihr mit Herausforderungen um? Anfangs sind Lernfortschritte häufig noch einfach und es zeigen sich sichtliche Erfolge. Was ist, wenn das nicht mehr so offensichtlich ist? Habt ihr den Atem durchzuhalten? Ist das bei beiden gleich? Zieht eine*r den/die andere mit? Genießt ihr die Zwischenphasen des Nichtstuns und von alleine arbeiten lassen?

Ein kleines Beispiel

Ihr habt einen gemeinsamen Salsakurs im Sinn. Ihr verbindet damit Lebendigkeit, Lebensfreude und Sinnlichkeit.
Von wem stammt die Idee? Ist die andere Person widerstrebend oder begeistert dabei? Bleibt es beim dadrüber reden oder besprecht ihr, wer von euch sich nach geeigneten Kursen, in einer Entfernung die für beide annehmbar ist, umschaut? Nehmen wir an, ihr habt die nötigen Informationen und könnt es euch auch leisten. Schiebt ihr die Anmeldung vor euch her oder meldet ihr euch zum nächstmöglichen Zeitpunkt an? Habt ihr unterschiedliche oder gleiche Tempi, wann ihr loslegen wollt?

Nehmen wir an ihr habt euch tatsächlich angemeldet. Fangt ihr mit einem Einsteigerworkshop an, um erst mal zu prüfen, ob es überhaupt etwas für euch ist? Hört ihr nach dem ersten Mal oder zum Ende des Kurses wieder auf oder seid ihr nun regelmäßig dabei? Auf welchen Rhythmus einigt ihr euch? Hat euch das Feuer so sehr gepackt, dass ihr nun 4x/Woche in unterschiedlichen Kursen seid? Geht ihr ein Mal die Woche? Macht ihr einen Kurs mit fester Länge? Geht ihr ab und zu zu Salsatanzveranstaltungen?

Überprüft ihr immer mal wieder, ob es euch noch Spaß macht? Wie geht ihr damit um, wenn es nur einem/r von beiden Spaß macht? Bleibt ihr auch dabei, wenn die Fortschritte nicht mehr so offensichtlich sind? Seid ihr in so vielen Kursen, dass euch die viele Information erschlägt oder könnt ihr damit leicht umgehen? Wechselt ihr auch mal die Tanzpartner*innen? Bleibt ihr die ganze Zeit an einer Tanzschule oder schaut ihr euch verschiedene Tanzschulen und -lehrer*innen an? Was macht das gemeinsame Tanzen mit euch als Paar?

Was ist für eine gute Balance in einer kreativen Partnerschaft zu beachten?

Die beiden wichtigsten Punkte sind meiner Ansicht nach:

  • Beide sind in allen drei Phasen aktiv beteiligt.
  • Alle drei Phasen bekommen ihren angemessenen Raum.

Die aktive Beteiligung Beider ist essentiell für die Partnerschaft.

Es führt in der Regel zu Frustration und Unfrieden, wenn beispielsweise überwiegend eine der beiden Personen neue Ideen/Anregungen liefert, selbst wenn die andere Person sich dann auf den Vorschlag einläßt und aktiv mitmacht. Es kann leicht die Annahme entstehen, dass es der Person, die weniger Anregungen einbringt, gleichgültig ist, wie sich die Partnerschaft und die Verbindung zwischen den Beiden entwickelt.

Eine gegenseitige Inspiration und ein ausgeglichenes Engagement für die Partnerschaft und die Verbindung zur anderen Person führt unter anderem zu Dankbarkeit und Wertschätzung.

Hat eine Phase oder haben zwei Phasen sehr viel mehr Raum, als die andereN, dann besteht die Gefahr, dass die Kräfte irgendwann zu Ende gehen oder sich Stagnation einstellt. Eine Person des Paares oder beide werden mit der Zeit unzufrieden sein.

Wenn sich beide jedoch immer wieder Zeit dafür nehmen zu träumen und Ideen einfließen lassen für gemeinsame Projekte, die qualitative, verbindende Zeit miteinander mit sich bringt, die Umsetzung konkret angegangen wird und immer wieder Zeiten des Ausruhens und Nachwirkenlassens genommen werden, dann entsteht ein Gefühl des im Fluß seins und der Lebendigkeit. Und das macht Lust auf mehr kreative Erfahrungen mit dieser Person an der Seite.

Ich wünsche dir und euch ein lebendiges, kreatives Miteinander.

Viel Spaß beim anwenden. Wie immer freue ich mich über Kommentare, Fragen und/oder Erfahrungsberichte. Nutze dafür das Kommentarfeld rechts neben diesem Blogartikel. Und wenn du den Artikel magst, dann leite ihn gerne an andere Personen weiter. Vielleicht inspiriert es ja jemanden oder es ist genau das, was jemand gerade braucht.


Montag, 12.Oktober 2015

warum ich den Blog führe

Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaftserfahrungen, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an.
Einige meiner Reflexionen teile ich hier.

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