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Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Ist Bedürftigkeit in der Partnerschaft erlaubt?


Jeder Mensch trägt unerfüllte Bedürfnisse aus der Vergangenheit mit sich herum – manchen Menschen ist dies bewusster als anderen. Wie gehst du damit in deiner Partnerschaft um?

Ich habe es immer wieder selbst in Partnerschaften erlebt oder auch bei anderen mitbekommen, dass geradezu eine Angst oder Abneigung vor emotionaler Bedürftigkeit des Partners oder der Partnerin zu bestehen scheint. „Ich bin nicht für deine Bedürfnisbefriedigung zuständig.“ heißt es gerne. Ich empfinde das mittlerweile als fatal und auch kontraproduktiv.

Wie entstehen Emotionen?

Gefühle entstehen, wenn ein Bedürfnis erfüllt wird oder nicht erfüllt wird. Wenn es nicht erfüllt wird und das entstehende Gefühl, wie beispielsweise Traurigkeit, Wut oder Angst nicht von jemandem gesehen und aufgefangen wird, also ins Leere läuft, dann wird dieses Gefühl runtergeschluckt. Oftmals macht das Umfeld sogar deutlich, dass diese Gefühle nicht erwünscht sind. Wenn dies so ist, dann werden diese Gefühle immer wieder runtergestopft. Unerlöste Gefühle werden, laut der Südafrikanerin Diana Richardson, zu Emotionen. Ich mag diese Differenzierung und habe sie für mich übernommen.

Unlebendigkeit als Konsequenz nicht gelebter Gefühle

Viele, die signalisiert bekommen haben, dass der Ausdruck bestimmter Gefühle nicht erlaubt ist, fühlen sie irgendwann dann auch nicht mehr. Sie verwehren sie sich. Das macht unlebendig, da der Selbstausdruck beschnitten wird. Es fördert das Leben von Masken. Die Person muss so tun, als hätte sie diese Gefühle nicht, um beispielsweise weiterhin geliebt zu werden oder keinen Ärger zu bekommen. Irgendwann glaubt sie dann, dass sie diese Gefühle wirklich nicht mehr hat. Es ist bedrohlich, wenn andere diese Gefühle leben. Manchmal wird darauf so reagiert, dass die Person, die sie lebt als schwach bezeichnet wird oder anderweitig abgewertet wird. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Emotionen, die in einer Person nicht gelebt werden, früher oder später versuchen zu ihrem Recht zu kommen, um Erlösung zu finden. Sie gären so lange in der Person, bis sie sich ausdrücken dürfen. Geschieht dies nicht, dann explodieren diese Emotionen irgendwann – entweder äußerlich durch beispielsweise Wutausbrüche, Panikattacken oder Heulkrämpfe. Diese Ausbrüche scheinen jedoch überdimensioniert und nicht der Situation angemessen oder überfallen die Person wie aus dem Nichts, wie ohne Anlass von jetzt auf gleich. Oder, wenn sie nicht nach Außen ausbrechen, dann explodieren sie nach Innen und verursachen Krankheiten.

Die Notwendigkeit eines Zeugen

Die Erlösung einer Emotion soll vor einem Zeugen geschehen. Warum? Weil das ursprüngliche Gefühl mit einem Bedürfnis zu tun hatte, das in der Regel von einer anderen Person erfüllt werden sollte, jedoch von dieser nicht erfüllt wurde. Und somit kann es so lange nicht zur Ruhe kommen, bis es von einer wichtigen Bezugsperson gesehen wird und Erfüllung findet.

Ich erinnere mich an eine Situation vor einigen Jahren, in der ich eine Partnerschaft mit einem Mann hatte, der auf einem anderen Kontinent lebte. Wir sahen uns entsprechend selten. Irgendwann wurde immer deutlicher, dass wir keinen gemeinsamen Ort miteinander finden werden. Ich war bei ihm zu Besuch und während er bei der Arbeit war, überkam mich plötzlich eine tiefe Verzweiflung, die sich in einem Heulkrampf ausdrückte, der gar nicht aufhören wollte. Als mein damaliger Partner von der Arbeit kam, fand er mich wie ein Häufchen Elend auf dem Bett vor. Er wußte nicht, wie er damit umgehen sollte und war völlig überfordert. Ich bat ihn, mich einfach in den Arm zu nehmen und für mich da zu sein. Ich hatte mir vorher fast zwei Stunden die Augen aus dem Kopf geweint, ohne dass ein Ende absehbar war. Als ich bei ihm in den Armen lag, versiegte der Tränenstrom innerhalb von 10 Minuten. Mein Atem wurde wieder ruhiger und die Zuckungen, die vorher meinen Körper erschüttert hatten beruhigten sich. Dass ich diese große Verzweiflung über die nicht vorhandene Möglichkeit eines gemeinsamen Ortes spürte hat eindeutig mit meiner Geschichte zu tun. Zum einen war ich eine Frühgeburt und lag alleine für 6 Wochen im Krankenhaus und zum anderen zog meine Mutter aus, als ich 6 Jahre alt war. Beides war für mich in diesen frühen Lebensmomenten unerträglich.Ich hätte bei meiner Mutter sein wollen, aber ein gemeinsamer Ort war nicht möglich.

Heilungsmöglichkeit in der Partnerschaft

Wie gerade beschrieben, will eine Emotion von einem Zeugen begleitet ausgelebt werden, damit sie zur Ruhe kommen kann und innerlich etwas Frieden findet. Ich möchte es hier noch ein mal wiederholen: Ein Gefühl entsteht durch ein befriedigtes oder unbefriedigtes Bedürfnis. Bleibt das Bedürfnis unbefriedigt wird das Gefühl stärker, denn die Not dieses Bedürfnis erfüllt zu bekommen wird stärker. Findet es keine Erfüllung, dann muß es unterdrückt werden und es entsteht schließlich eine Emotion. Wird nun im Erwachsenenalter in Partnerschaften darauf bestanden, dass sich jede*r gefälligst selbst um die eigenen Bedürfnisse kümmert, dann ist die Konsequenz, dass das Bedürfnis immer größer wird, weil es weiterhin unerfüllt ist, weil die Erfüllung von der engsten Bezugsperson erfüllt werden soll – und das ist im Erwachsenenleben der oder die Partner*in. Schiebst du deine*n bedürftige*n Partner*in also von dir, bleibt diese „Bedürftigenenergie“ viel länger präsent. Du tust dir im Endeffekt selbst einen Gefallen, wenn du deinem/r Partner*in bei der Nachnährung des ursprünglichen Bedürfnisses so lange hilfst, bis es wirklich in ihm/ihr zur Ruhe gekommen ist, denn dann wird das ewige offene oder unterschwellige Einfordern des Befriedigens des Bedürfnisses viel schneller aufhören. Oftmals ist es notwendig, dass du etwas gibst, um das Bedürfnis deines/r Partners/in zu befriedigen, was für dich äußerst schwierig ist zu geben. Tu es trotzdem. Du wirst erleben, dass du daran nicht stirbst, auch wenn es sich anfangs so anfühlt. Und du kannst dir dadurch sogar einen Teil zurückerobern, den du in frühesten Jahren unterdrücken mußtest oder erst gar nicht beginnen konntest zu leben, weil das in dem Umfeld in dem du aufgewachsen bist, nicht möglich war.

Angst vor starken Emotionen?

Viele Menschen haben Angst vor starken Emotionen. Nimm die Angst wahr und nimm sie als Signal, dass es in dir etwas anrührt, das Erlösung finden möchte. Lass es zu, dass die Emotion ausgedrückt wird – selbstverständlich auf eine Art, bei der niemand der Beteiligten oder die Einrichtung zu Schaden kommt, also weder physisch, noch verbal attackiert wird.

Vertrau darauf, dass sich die Emotion beruhigt, wenn sie Raum bekommt sich auszudrücken.

Sollte es dir zu viel Angst machen, dann nimm mit mir Kontakt auf. Ich begleite dich gerne auf deinem Weg der Emotionserlösung. Nimm über mein Kontaktformular hier: http://soulroots.org/kontakt/ mit mir Kontakt auf, um einen Termin abzusprechen.

Je mehr Teile du dir zurückeroberst und je unmittelbarer du deine Gefühle lebst, desto authentischer und lebendiger wirst du.

Ich wünsche dir und euch, dass du/ihr Heilung findet und zukünftig immer lebendiger werdet. Schreib*t mir gerne über deine/eure Erfahrungen. Nutze dafür das Kommentarfeld unter diesem Artikel. Dir hat der Artikel gefallen, dann leite ihn gerne weiter an andere, für die er hilfreich sein könnte. Du möchtest weitere Einblicke in Menschliches und Zwischenmenschliches bekommen? Ich schreibe alle zwei Wochen einen neuen Blogartikel. Abonniere sie gerne.


Montag, 20.Februar 2017

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Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaftserfahrungen, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an.
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2 Kommentare

Franzi

Guten Abend.
Ein sehr Interessanter Artikel zu dem ich gerne mehr lesen würde.
Ich würde mich über eine Grafische Darstellung zum Bereich Bedürfnisse, Gefühle und Emotionen freuen. Da ich diesen Abschnitt dann besser verstehen kann.
und zu diesem Abschnitt. ..
„Oftmals ist es notwendig, dass du etwas gibst, um das Bedürfnis deines/r Partners/in zu befriedigen, was für dich äußerst schwierig ist zu geben. Tu es trotzdem“
… könntest du bitte zu dem Teil noch ein Beispiel anbringen?

Ich finde das Thema Bedürfnisse und deren Befriedung oder nicht Befriedigung und folgen sehr Interessant. ..vielleicht eine Anregung für Dich für deinen nächsten Artikel.

Mareia Claudia Lange

Liebe Franzi, ich freu mich, dass dir der Artikel zu gefallen scheint. Danke für deine Bitte um eine graphische Darstellung, sowie ein Beispiel für das was dem Partner/der Partnerin schwer fällt zu geben. Mit geben ist erfüllen gemeint. Ich habe für beides Schaubilder mit Beispielen entworfen und in den Artikel eingefügt.

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