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Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Selbstwert


Fühlst du dich als Person in deinem Innersten verletzt, wenn jemand etwas kritisiert, was du tust? Das ist ein Zeichen dafür, dass du ein schwaches Selbstwertgefühl hast.

Was bedeutet Selbstwert?

Selbstwertgefühl sollte nicht mit Selbstvertrauen verwechselt werden. Beim Selbstvertrauen geht es darum, dass ich um das weiß, was ich gut kann.

Beim Selbstwertgefühl geht es darum, mein Wesen und meinen Körper zu spüren und zu lieben – mich selbst wertzuschätzen für das, was ich bin, unabhängig von dem, was ich tue.

Es gibt Menschen, die ein starkes Selbstbewußtsein an den Tag legen, das heißt aber nicht, dass sie deshalb auch ein starkes Selbstwertgefühl haben. Wer jedoch über ein gutes Selbst(wert)gefühl verfügt, der hat in der Regel auch ein gutes Selbstbewußtsein.

Die Maskierung des Selbst

Die Reaktion eines Organismus auf Bedrohung ist Angriff, Flucht oder Tod stellen. Dies ist ab einem Alter von etwa 9-12 Monaten bedingt möglich, etwas was dem Fötus im Mutterleib noch nicht physisch möglich war. Das Kleinkind und später das Kind wird sich demzufolge entweder zurückziehen und in die eigene, heile Welt flüchten oder, wenn dies nicht möglich ist, sich innerlich tot stellen und einfach mitmachen. Damit dieses innerliche „Abstellen“ nicht auffällt, muss es im Außen schauspielern, was den Aufbau von äußeren Masken fördert. Dies scheint das Dazugehören zu garantieren, auch wenn es im tiefsten Inneren nicht befriedigt und sich die Person trotzdem einsam fühlt, so lange es noch fühlt. Der Mensch ist dann zwar physisch anwesend, emotional aber nicht im Kontakt. Der Mensch hat dann vielleicht ein gutes Selbstbewusstsein – wenn er um seine Fertigkeiten weiß – aber deshalb keinen guten Selbstwert – also das innere Wissen/Fühlen, dass es wertvoll ist, allein dadurch dass er so ist wie er ist -, wozu ein gutes Selbstgefühl notwendig ist.

Aufbau des Selbstwerts im Kindesalters

Ich erlebte vor einigen Jahren für etwa eineinhalb Jahre fast täglich ein anfangs eineinhalbjähriges Mädchen, nennen wir es Rebecca, welches in ihrer Selbstbestimmung großen Freiraum erhält. Sie zieht sich häufig – egal ob in Räumen oder draußen – nackt oder bis auf eine dünne Hose aus, wenn wir Erwachsenen langärmelig sind. Ich erlebte es auch wiederholt, dass sie ebenso klar signalisiert, wenn sie etwas anziehen möchte. Sie hatte in ihrem Leben bisher nur ein Mal Schnupfen. Sie kann auch ihrem Hungergefühl frei nachgehen. Wenn sie gestillt werden wollte, signalisierte sie das deutlich und es wurde darauf umgehend reagiert (ernst nehmen ihres Bedürfnisses und enger Körperkontakt beim Stillen sind sehr hilfreich zum Selbstwertaufbau). Wenn sie etwas anderes essen mochte ebenso. Rebecca sagte oder zeigte auch klar, was sie essen will und aß so viel bis sie satt war. Sie liebte vor allem rohes Gemüse und gekeimte Samen. Sie machte sich lautstark bemerkbar, wenn ihr Bedürfnis nicht erfüllt wurde, was allerdings nicht bedeutet, dass sie immer ihren Willen bekam. Sie wurde jedoch in ihren Gefühlen ernst genommen und gesehen, wenn ihr eine Grenze gesetzt wurde und sie durfte ihren Ärger oder Schmerz kundtun. Durch diese Art der Reaktion auf die Bedürfnisse von Rebecca, wurde sie darin gefördert, ihren eigenen Empfindungen und Urteilen zu trauen. Sie wurde in ihrem Gefühl für sich selbst bestärkt. Dies wird in der Folge dazu führen, dass sie einen guten Selbstwert entwickelt, denn ihr wurde zudem wiederholt glaubhaft gesagt und gezeigt (zum Beispiel durch herzliche Umarmungen), dass sie geliebt ist, einfach so wie sie ist. Sie brauchte nichts dafür tun oder auf eine bestimmte Art sein. Ich erlebte an ihrem zehnjährigen Bruder, nennen wir ihn Jacob, der ebenso aufwuchs (vier Jahre gestilltes Wunschkind, der zu Hause ohne jeglichen Medikamenteneinsatz natürlich im Wasser geboren wurde), dass dieser seine Gefühle zeigt, seine Meinung ehrlich sagt und sich meistens für sich einsetzt. Ich erlebte ihn als einen aufgeweckten, selbstständigen, liebevollen, kontaktfreudigen, aktiven, kreativen Jungen, der sich recht bewusst Gedanken darüber macht, was er mit seinem Leben anfangen möchte. Ich erlebte ihn als sehr lebendig und tatkräftig. Er hatte immer wieder kreative Einfälle und folgte begeistert seinen Impulsen. Er ging tatkräftig zur Sache und setzte um, was er sich vorgenommen hatte. War er von etwas begeistert, wollte er das mit anderen teilen und zeigte sein Werk oder etwas was er in der Umgebung entdeckt hatte. Ich hatte dabei nicht den Eindruck, dass er bewundert werden wollte, für das was er beispielsweise geschaffen hatte, sondern er wünschte sich einfach ein gemeinsames Erfreuen an dem was ist.

Wiederaufbau des Selbstwerts im Erwachsenenalter

Wie viele andere auch, hatte auch ich in meinen Baby- und Kleinkindjahren diese bedürfnisorientierte Zuwendung nicht erlebt. Die Lösung bestand für mich im Erwachsenenalter darin, mich zu trauen, mich mit all meinen Seiten zu zeigen. Ich ging das Risiko ein, Fehler zu machen und belächelt zu werden. Dafür musste ich in mir Selbstwert, Selbstliebe und Selbstbewusstsein entwickeln. Dass ich mich so zeigte, wie ich bin, ermutigte oftmals meine Mitmenschen darin, dies ebenfalls zu tun. Meine Begegnungen wurden dadurch echter, ehrlicher und erfüllender. Im Endeffekt war es für alle Beteiligten entspannter. Niemand musste sich mehr verbiegen, was viel Kraft beansprucht.

Was ist hilfreich, um überhaupt (wieder) zu spüren und sich zu trauen, wie du eigentlich bist und was mdine Bedürfnisse sind?

Hier ein paar Anregungen:

* Genußvolles, langsames Essen, bei dem ordentlich gekaut wird. > So merkst du viel eher, wann du satt bist und wie das schmeckt, was du da zu dir nimmst. Probier auch mal was Neues aus.
* Dir Zeit nehmen, um zu entscheiden, was du tun möchtest und was nicht. > Sei ehrlich mit dir selbst und traue dich NEIN zu sagen, falls es sich in diesem Moment nicht stimmig anfühlt. Du bist drauf und dran doch ja zu sagen? Frage dich selbst, vor was du Angst hast. Welche Konsequenz befürchtest du, wenn du nein sagst.
* Tust du etwas nur aus reiner Gewohnheit? Wage es, es anders zu tun, auch wenn du das Gefühl hast, du wirst fast sterben, wenn du es anders machst. Vielleicht eroberst du dir so einen Teil zurück, den du, auf Grund deines Umfeldes in dem du aufgewachsen bist, unterdrücken mußtest. Erst wenn du es mehrere Male anders gemacht hast, entscheide, was wirklich dir entspricht.
* Halt inne, schließe die Auge, atme ruhig ein und aus und nimm deinen Körper wahr. Was fühlt sich dort wo wie an? Schenke deinem Körper Aufmerksamkeit, ohne ihn zu beurteilen. Nimm ihn einfach an, so wie er ist.
* Sprich aus, wie du dich fühlst. Lerne deine Gefühle zu benennen. Manchmal ist es dafür hilfreich, dich erst einmal darin zu schulen, wahrzunehmen, wie sich dein Körper anfühlt und mit der Zeit dafür ein Gefühlswort zu finden. Beispielsweise: Wenn es in meinem Bauch brodelt, als wäre ein Vulkan kurz vorm Ausbrechen, sich meine Muskeln anspannen und mein Atem stoßweise geht, dann bin ich wütend.
* Für jede Kritik die du dir selbst gegenüber (innerlich) äußerst, mache dir drei Komplimente. Das verschiebt deine Aufmerksamkeit hin auf das, was wertvoll an dir ist.
* Frage dich immer wieder: Was ist jetzt mein Bedürfnis?, Was würde mir jetzt gut tun?
* Nimm dir Zeit für das, was dich persönlich begeistert, egal was andere davon halten (so lange niemand anders dadurch zu Schaden kommt). Erkunde, was dir Freude macht. Erinnere dich daran, was du als Kind stundenlang machen konntest und dabei die Welt um dich herum vergaßt.

Ich wünsche dir, dass du dich immer mehr so annimmst, wie du bist. Ich hoffe dir dafür etwas an die Hand gegeben zu haben. Sollte es dir alleine schwer fallen, dann begleite ich dich gerne bei deiner Reise der Selbstwahrnehmung, um deinen Selbstwert zu entwickeln. Nimm Kontakt mit mir auf, um einen Termin für eine erste Sitzung abzumachen. http://soulroots.org/kontakt/


Monday, 9.January 2017

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warum ich den Blog führe

Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaftserfahrungen, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an. Einige meiner Reflexionen teile ich hier.

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