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Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Ehrlichkeit


Hast du schonmal die Wahrheit ein wenig verdreht, um jemand anderen nicht zu verletzen oder weil du einfach nicht drüber reden wolltest?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass du diese Frage mit ja beantwortest. Wer macht das nicht gelegentlich? Jemand fragt dich, ob du zu einer Veranstaltung mitkommst, du hast aber gar keine Lust dazu und sagst einfach, dass du leider keine Zeit hast, denn du mußt unbedingt etwas Bestimmtes erledigen oder bist schon anderweitig verabredet, obwohl dem nicht so ist. Du solltest zu einem bestimmten Zeitpunkt bei einem Treffen sein, kommst aber zu spät und erklärst, was ganz überraschend dazwischen kam und was der Grund für deine Verspätung ist, obwohl du in Wahrheit einfach den Blick für die Zeit verloren hast, schlecht organisiert warst oder unfähig warst die anderen Sachen auf später zu verschieben oder den Personen, die dich aufgehalten haben klar zu sagen, dass du für sie gerade keine Zeit hast. Du hast etwas versprochen und hältst es nicht ein. Du findest tausend gute Gründe, warum es gerechtfertigt ist, warum du dein Versprechen nicht einhalten konntest, anstatt dazu zu stehen, dass du beispielsweise nicht die innere Stärke hattest es zu tun. Du schweigst, anstatt auszusprechen, was in dir vorgeht oder was du über etwas bestimmtes denkst, da du glaubst, dass es ja eh nichts bringt, wenn du es sagst oder meinst zu wissen, dass dir die Reaktion nicht gefallen wird und deshalb sprichst du es lieber nicht aus. Der Klassiker des Verschweigen ist wohl: Ich sage ihr/ihm nichts davon, dass ich eine Affäre habe oder einen One-Night-Stand hatte, um sie/ihn nicht zu verletzen.

Warum greifen wir zu Notlügen und Wahrheitsverdrehungen?

Ich bin davon überzeugt, dass die meisten diese Frage damit beantworten werden, dass sie deshalb die Wahrheit verdrehen, um eine andere Person nicht zu verletzen, weil sie der Meinung sind, dass es alleine ihre Angelegenheit ist und niemand anderen etwas angeht oder weil sie keine Lust haben auf das Gewitter, was sonst auf sie niederprasseln würde. Manche Menschen empfinden es außerdem als unhöflich eine Einladung oder eine Bitte abzulehnen und greifen deshalb zu diesen Notlügen. Das sind teilweise auch kulturelle Gepflogenheiten.

Ist es dir schon mal passiert, dass dir gegenüber eine Ausrede oder Wahrheitsverdrehung verwendet wurde und du hast später davon erfahren? Wie hast du dich dabei gefühlt? War es dir egal und du dachtest dir: „Na, die Person wird schon ihre guten Gründe dafür gehabt haben.“? oder „Oh, wie rücksichtsvoll von xy.“ ?oder warst du verletzt und hast dich belogen oder betrogen gefühlt? Was ist dir persönlich lieber: Die vielleicht unangenehme Wahrheit oder Halbwahrheiten hören?

Was sind die wahren Gründe, weshalb du zu einer Ausrede oder zum Verschweigen greifst? Ist es vielleicht Scham? Hast du vielleicht Angst vor den Konsequenzen, wenn du eine ehrliche Antwort geben würdest oder die ganze Wahrheit sagen würdest?

Was wäre, wenn wir offen und transparent miteinander umgehen?

Was wäre, wenn du sagen würdest, dass du an der Veranstaltung, zu der du gefragt wirst mitzukommen, kein Interesse hast? Was wäre, wenn du offen sagst, dass du dich zu einer anderen Person hingezogen fühlst? Was wäre, wenn du eingestehst, dass du zu viel versprochen hast und nicht die innere Stärke oder Stabilität hast, um es umzusetzen? Was wäre, wenn du eingestehst, dass du die Zeit aus dem Blick verloren hast oder nicht fähig warst, bestimmte Dinge auf später zu verschieben oder anderen Menschen gegenüber zu sagen, dass du gerade keine Zeit für sie hast? Oder was wäre, wenn du offen sagen würdest, dass du erst die anderen Dinge erledigen wolltest oder es dir wichtiger war, mit den Personen die dich aufgehalten haben zu sprechen, als pünktlich zu erscheinen? Was wäre, wenn du aussprichst, was in dir vorgeht?

Du müßtest dich mit der Verletzung, den Vorwürfen oder sonstigen als unangenehm empfundenen Reaktionen der anderen Person auseinandersetzen. Du müßtest dich mit dir selbst, deinen eigenen Prioritäten und Charaktereigenheiten auseinandersetzen. Und du riskierst vielleicht, dass du dann zukünftig nicht mehr gefragt wirst, ob du irgendwohin mitkommen möchtest und/oder riskierst eventuell abgelehnt zu werden. Du riskierst dich verletzlich zu zeigen oder selbst verletzt zu werden.

„Ist ja halb so wild.“ (wenn ich zu einer Wahrheitsverdrehung greife), ist für mich vor allem ein Zeichen dafür, sich nicht mit sich oder anderen konfrontieren zu wollen.

Vielleicht hast du es nie gelernt. Dann ist es verständlich, wenn du davor zurückschreckst. Es kann jedoch gelernt werden, auch wenn es anfangs Angst macht. Vielleicht hast du dich auch bewußt dazu entschieden, dich nicht mit dir selbst und anderen auseinanderzusetzen, da du es als zu viel Aufwand empfindest. Du empfindest es als den einfacheren Weg, mit Halbwahrheiten zu jonglieren. Es ist deine eigene Entscheidung.

In meinen Augen schafft es Klarheit, wenn ehrlich geantwortet wird und die ganze Wahrheit gesagt wird. Beide wissen woran sie sind und dann können beide Seiten für sich entscheiden, ob sie sich auf diese Art der Begegnung, des Kontakts oder des Umgangs miteinander einlassen wollen oder nicht.

Ehrt es dich und deine innersten Werte, wenn du zu diesen Wahrheitsverdrehungen greifst?

Ich bin neugierig, was dieser Artikel bei dir auslöst und ob er dich dazu anregt zukünftig weniger oder gar nicht mehr zu Halbwahrheiten zu greifen, sondern offen und ehrlich zu dem zu stehen, was ist. Benutze dafür bitte das Kommentarfeld. Du stellst fest, dass Angst oder Scham deine Hauptmotivatoren dafür sind unehrlich zu sein und weißt nicht, wie du das alleine verändern kannst? Du spürst, dass du lernen möchtest, damit umzugehen oder in die Konfrontation mit dir und anderen zu gehen? Dann unterstütze ich dich gerne dabei. Kontaktiere mich, um eine erste Sitzung zu verabreden.

Benutze für Anmerkungen, Kommentare und Fragen, sowie Wunschäußerungen für zukünftige Artikel bitte das Kommentarfeld. Dir hat der Artikel gefallen, dass teile ihn mit anderen, damit auch sie davon inspiriert werden können.


Montag, 3.Oktober 2016

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warum ich den Blog führe

Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaftserfahrungen, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an.
Einige meiner Reflexionen teile ich hier.

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