Blog

Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Du treibst mich noch in den Wahnsinn!


Wenn mein Gegenüber mich verletzt, nervt oder ich mich angegriffen fühle.
Du wünschst dir ein harmonisches Miteinander, aber irgendwie klappt es einfach nicht.

In meinem letzten Blogpost ging es um den Unterschied zwischen impulsiv und gefühlvoll und warum es hilfreich ist, Gefühle – besonders in (drohenden) Konfliktsituationen – zu dosieren, was dabei innerlich angerührt wird, was diese Dosierung schwierig macht und was auf der körperlichen Ebene helfen kann.

Diesmal geht es mir darum, welche inneren Reflexionen hilfreich sein können, wenn mein Gegenüber in mir starke Emotionen oder die Einfrierung dieser hervorruft.

Ein Beispiel

Nehmen wir an, dir ist Zuverlässigkeit ganz wichtig.

Zunächst ist zu klären, was das für dich bedeutet, denn nicht jedeR versteht das Gleiche unter diesem Begriff. Bedeutet es beispielsweise, dass jemand das tut, was er/sie sagt oder (auch) dass mensch pünktlich erscheint oder etwas zum vereinbarten Zeitpunkt erledigt hat, statt es aufzuschieben?

Wenn ja, dann wird es dich mehr oder weniger stark unangenehm berühren, wenn jemand zu spät kommt oder Vereinbarungen nicht termingerecht einhält oder der Vereinbarung gar nicht nachkommt. Wie reagierst du innerlich? Wie interpretierst du das Verhalten des/r anderen? Was sagst du dir innerlich über diese Person?

Deine Reaktion ist vermutlich davon abhängig wie nahe dir diese Person steht und wie oft du dieses Erlebnis mit ihr hast. Nehmen wir an es ist eine Person mit der du regelmäßig zu tun hast und die dieses für dich unangemessene Verhalten immer wieder an den Tag legt.

Wie reagierst du normalerweise? Sagst du, dass dir das nicht passt oder schluckst du? Platzt es irgendwann aus dir raus, wenn du eine Weile geschluckt hast oder frist du es weiter in dich hinein und wendest dich irgendwann einfach ab von der Person (wenn dies möglich ist)? Wie sagst du es der anderen Person? Ruhig, eingeschüchtert, verärgert, beleidigt, vorwurfsvoll?

Schon die Analyse deiner Art der Kommunikation oder Nicht-Kommunikation wäre sehr spannend.
Hier geht es mir jedoch darum nicht nach den äußeren Reaktionen auf die Tat(en) zu schauen, sondern in der Betrachtung deiner Innenwelt zu bleiben.

Was genau ist innerlich in dir angerührt?

Warum genau ist dir Zuverlässigkeit so wichtig (um bei dem Beispiel zu bleiben)? Fühlst du dich dadurch beispielsweise ernst genommen oder hast du das Gefühl du bist der Person wichtig oder die Sache um die es geht ist ihr/ihm wichtig? Vielleicht genauso wichtig wie dir?

Nehmen wir an du interpretierst Unzuverlässigkeit so, dass du der Person nicht wichtig bist, sie dich nicht ernst nimmt und nur an sich denkt. Welche Gefühle löst das in dir aus? Es könnte beispielsweise Wertlosigkeit auslösen. Ein unangenehmes Gefühl, was du lieber nicht fühlen möchtest. Sicherlich fühlst du es nicht zum ersten Mal. Wie alt fühlst du dich, wenn du dich so fühlst? Kennst du dieses Gefühl oder auch diese Art und Weise mit dir umzugehen von Personen, die in deiner Kindheit oder der Zeit als du Jugendliche/r warst enge Bezugspersonen für dich waren?

Ich schlage dir vor dich zu fragen, welches grundlegende Bedürfnis von dir nicht gestillt wird, wenn du mit einer Person zu tun hast, die unzuverlässig ist (wenn dies dein wunder Punkt ist), wodurch das Gefühl der Wertlosigkeit in dir ausgelöst wird. Vielleicht fühlst du dich durch Zuverlässigkeit einer anderen Person wichtig oder sogar geliebt.

In der Regel werden bei uns starke emotionale Reaktionen oder Gefühlseinfrierungen nur ausgelöst, wenn eines unserer grundlegenden Bedürfnisse missachtet wird.

Gibt es eine/n Schuldige/n?

Eine häufige Reaktion ist es, die Schuld für unseren Gefühlszustand oder unsere Reaktion beim anderen zu suchen. Wenn der/die andere doch nur pünktlich wäre, dann wäre die Stimmung nicht immer schon gleich im Eimer, wenn die Person dann doch endlich auftaucht. Das ist jedoch eine Opferhaltung und hat wenig mit Verantwortungsübernahme für die eigene Gefühlswelt und die eigenen Taten zu tun. Die andere Person ist nicht schuld daran, dass diese Gefühle in dir ausgelöst werden und es dich beispielsweise an dein Gefühl der Wertlosigkeit erinnert. Ihr/sein Verhalten ruft eine Erinnerung in dir wach. Es wird sozusagen in einer schon vorhandenen Wunde rumgeführt.

Verständnis

Es lohnt sich neugierig und offen zu bleiben. Begib dich innerlich auf Entdeckungsreise, um herauszufinden, warum dich etwas so dermassen anrührt. Du lernst dich dadurch besser verstehen. Wenn es die Situation erlaubt ist es auch hilfreich der anderen Person zu erzählen, warum dir Zuverlässigkeit so wichtig ist, welches Bedürfnis du dadurch erfüllt und genährt bekämst, wenn der/die andere zukünftig zuverlässig wäre und woran es dich aus deiner Vergangenheit erinnert. Das schafft Empathie, die Bereitschaft für die Fähigkeit, sich in jemand anderen einzufühlen und das Gegenüber verstehen zu wollen. Das bedeutet nicht, dass sich deshalb auch das Verhalten der anderen Person ändern muss. Diese Person hat schließlich auch eine Geschichte. Es verändert jedoch die Atmosphäre miteinander.

*********************

Selbstverständlich war das Thema Zuverlässigkeit nur ein Beispiel. Du kannst es auf das übertragen, was dich stark anrührt.

Hier noch mal die Schritte:

  1. Was ist dein wunder Punkt? Welches Verhalten einer anderen Person löst eine starke Reaktion bei dir aus? (im Beispiel: Unpünktlichkeit, Absprachen nicht einhalten)
  2. Was ist deine Definition von xy? (im Beispiel: Definition von Zuverlässigkeit: Vereinbarungen termingerecht einhalten, pünktlich sein)
  3. Wie interpretierst du das Verhalten der anderen Person? (im Beispiel: Ich bin der Person nicht wichtig, sie respektiert mich nicht.)
  4. Was denkst du über die andere Person? (im Beispiel: Er/sie denkt nur an sich.)
  5. Welche Gefühle löst es in dir aus? Oder löst es Gefühlseinfrierung aus? (im Beispiel: Wertlosigkeit)
  6. Wie alt fühlst du dich innerlich in dem Moment?
  7. An welche Situation oder Person aus deiner Kindheit oder Jugendlichenzeit erinnert dich das Verhalten der anderen Person?
  8. Woher kennst du dieses Gefühl (oder die Gefühlseinfrierung) aus deiner Kindheit oder Jugendlichenzeit?
  9. Was ist dein grundlegende Bedürfnis welches nicht berücksichtigt wird? (im Beispiel: dich wichtig und geliebt fühlen)
  10. Erzähl der anderen Person ruhig was es in dir anrührt, woran es dich erinnert, welches Bedürfnis damals nicht gestillt wurde, weshalb du heute darauf empfindlich reagierst, wenn es heute nicht beachtet wird (in deinem Empfinden).
  11. Ich hoffe dies unterstützt dich und euch in einem harmonischeren Umgang miteinander.

Ich freue mich über Kommentare und Berichte, ob die Schritte für dich hilfreich sind.

Wenn dir der Post gefällt, dann teile ihn gerne und abonniere meinen Blog.

Ich wünsche dir viel Spaß beim ausprobieren.


Montag, 14.September 2015

warum ich den Blog führe

Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaftserfahrungen, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an.
Einige meiner Reflexionen teile ich hier.

Blog abonnieren

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Schließe dich 70 anderen Abonnenten an

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*