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Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Ausstrahlung


Hast du manchmal das Gefühl, dass es Leute gibt, die regelmäßig weniger abbekommen als andere und dass es außerdem Menschen gibt, die den Erfolg geradezu anzuziehen scheinen?

Hast du manchmal das Gefühl, dass es Leute gibt, die regelmäßig weniger abbekommen als andere und dass es außerdem Menschen gibt, die den Erfolg geradezu anzuziehen scheinen?

Mir fällt das selbst immer wieder auf – bei mir selbst und bei Menschen um mich herum.
Es scheint Menschen zu geben, die, egal was sie anpacken, recht schnell erfolgreich sind – sei es in einem neuen Hobby, bei einer neuen Geschäftsidee oder wenn sie aus einem anderen Anlass mit neuen Menschengruppen zu tun haben. Andere wiederum scheinen es nicht zu schaffen sich sichtbar zu machen, obwohl sie gleich gut qualifiziert sind, wie die „Erfolgsmenschen“.

Ich unterhielt mich vor wenigen Wochen mit einem in den arabisch-türkisch-stämmigen, in den USA lebenden Chirurgen, der geschäftlich viel in Europa zu tun hat. Er lächelte und strahlte ganz natürlich unentwegt. Er erzählte mir, dass sich seine Kollegen häufig darüber beschweren, auf was für unfreundliche, griesgrämige Menschen sie oft treffen, egal, wo sie hinfahren. Er konnte das nicht bestätigen. Er traf überwiegend auf freundliche, hilfsbereite, offene Menschen.

Ich kenne, in Berlin lebend, außerdem genügend Menschen, die sich darüber beschweren, wie unfreundlich die VerkäuferInnen in vielen Geschäften sind. Eckard von Hirschhausen behauptete einmal, dass Kundenfreundlichkeit in Berlin bedeuten würde, dass der Kunde freundlich zu sein habe. Ich mache eine andere Erfahrung. Ich gehe in der Regel, genau wie der Chirurg, offen und freundlich lächelnd durch die Welt und erwarte grundsätzliche erst einmal angenehme Reaktionen. In der Regel finde ich diese Grundeinstellung bestätigt. Auch ich treffe überwiegend auf freundliche, hilfsbereite, offene Menschen.

Was du (unbewußt) aussendest bekommst du zurück.

Ich erfahre jedoch auch Situationen, in denen diese freundliche Ausstrahlung nicht zu funktionieren scheint. Auf Milongas (Tango Tanzveranstaltungen) erlebe und beobachte ich das immer wieder. Ich sehe freundlich lächelnd dasitzende Menschen, die trotzdem überwiegend zu sitzen scheinen und einfach gar nicht oder wenig zum Tanzen kommen. Ich habe mich immer wieder gefragt, woran das wohl liegen mag.

Ich habe an mir selber beobachtet, was innerlich in mir vorgeht, wenn ich einen solchen Abend habe.

  1. Es beginnt damit, dass ich mich (in einer neuen oder mir wenig bekannten Umgebung) innerlich unsicher fühle, da ich im Gegensatz zu anderen erst kurze Zeit tanze und niemand oder fast niemand da ist, den ich kenne (1 1/2 Jahre).
  2. Ich frage mich innerlich, ob ich mit dem Menschen mit dem ich tanzen werde, werde mithalten können – ob ich gut genug sein werde.
  3. Meine lächelnde Freundlichkeit ist zwar äußerlich da und inzwischen traue ich mich auch (meistens) offen umherzuschauen, aber diese innere Unsicherheit verändert das Lächeln mit der Zeit immer mehr.
  4. Je mehr ich rumsitze, um so frustrierter bin ich. Ich lächele zwar in der Regel weiterhin und bemühe mich auch eine aufrechte Körperhaltung äußerlich beizubehalten, aber innerlich bin ich frustriert und auf Rückzug.
  5. Meine Erwartung, dass ich schon noch zum tanzen kommen werde schwindet immer mehr dahin.
    Wenn die Frustration zu groß wird, dann verlasse ich die Veranstaltung eher früher als später – außer ich schaffe es diese Situation zu drehen.

Ich habe an diesen Abenden viel Zeit zum beobachten. Mir fällt immer wieder auf, dass es solche Menschen gibt, die vor allem rumsitzen oder rumstehen und solche, die sehr viel auf der Tanzfläche sind.

Die die regelmäßig auf der Tanzfläche sind, bekommen leicht neue Tanzgelegenheiten und jene, die nicht tanzen scheinen sich festzusetzen oder festzustehen.

Als würde sich sowohl um die Einen, als auch um die Anderen ein magnetisches Feld aufbauen, was dazu führt, dass mehr von dem zur Person kommt, was sie ohnehin schon erfährt.

An Abenden an denen Menschen anwesend sind, mit denen ich schon getanzt habe ist es leichter. Auch an Abenden an denen ich „das Glück habe“ früh aufgefordert zu werden, scheint es leichter zu sein, als würde ein Bann gebrochen, insofern ich nicht über die Tanzfläche stolpere, sondern zu sehen ist, dass beide am Tanz Beteiligten eine angenehme Tanzerfahrung haben.

Die inneren und äußeren Zustände verändern

Meine Erfahrung, auch in anderen Zusammenhängen als dem Tanzen, zeigt mir, dass es in Situationen, in denen es stockend oder gar nicht läuft, günstig ist, das frustrierende Umfeld, zumindest für eine Weile, komplett zu verlassen oder sich an eine andere Stelle im Raum zu begeben. Diese Platzveränderung oder der komplette Rückzug und das spätere Wiederauftauchen scheint eine neue Möglichkeit zu eröffnen. Es klappt nicht immer, aber häufig.

Wenn es auf einer Milonga die Möglichkeit gibt und jemand da ist, den ich kenne und mit dem ich weiß, dass das gemeinsame Tanzen gut klappt, dann bitte ich denjenigen auch schon mal ganz direkt, mit mir zu tanzen, damit sich dieses „Feststecken-Feld“ auflockert. Auch dies klappt immer häufig.

All das nutzt jedoch viel weniger, wenn ich nicht etwas an meiner inneren Einstellung ändere. Ich beschrieb zuvor, dass ich teilweise innerlich verunsichert bin. Natürlicherweise kommt mit mehr Erfahrung auch mehr Sicherheit. Aber auch mit wenig Erfahrung ist innere Unsicherheit kein muss. Ich kann relativ objektiv beurteilen, dass ich weniger Erfahrung habe als andere, wie ich innerlich damit umgehe ist AUCH eine eigene Entscheidung. Dies hängt mit den eigenen Ansprüchen am mich selbst zusammen.

Ich kann mich einschüchtern lassen oder ich kann mir sagen: Okay, ich tanze vielleicht noch nicht so lange wie viele hier, aber ich tanze so gut ich kann und freue mich über die Erfahrungen die ich mache. Es wird schon Spaß machen und ich kann auf jeden Fall etwas dazulernen. Und wenn ich mal eine Weile nicht tanze, geht die Welt davon auch nicht unter. Ich nutze die Zeit dann beispielsweise zum Beobachten der anderen TänzerInnen und lasse mich inspirieren.

Im Prinzip geht es um einen inneren Dialog, den ich mit mir selbst führe, der mir entweder einredet, dass ich nicht gut genug bin oder in dem ich mir sage, dass ich gut genug sein werde. Im ersten Dialog wert ich mich selbst ab. Im zweiten Dialog weiß ich um meinen inneren Wert und baue ihn auf.

Die innere Wertigkeit stärken

Es ist hilfreich mir immer wieder vor Augen zu führen und zu spüren, dass ich wertvoll bin, egal was um mich herum passiert. Dieses Gefühl des inneren Wertes geht oft verloren oder wird eingetrübt, wenn etwas im Leben nicht so läuft wie erhofft.

Es gibt und gab aber schon genügend Situationen, wo ich diese innere Wertigkeit gefühlt habe. Und solche Situationen kennst du sicherlich auch aus deinem Leben.

Nimm dir einen Moment Zeit und überlege:

  • Welche drei Eigenschaften schätzt du an dir als Person besonders? – z.B. du bist hilfsbereit, optimistisch und verstehst Dinge schnell
  • Was hilft dir, dich selbst zu zentrieren und wieder gut mit dir selbst und etwas Größerem in Verbindung zu sein, was dir als Kraftquelle dient? – z.B. ein Spaziergang in den Bergen, am Lagerfeuer sitzen, Meditation, malen, intuitives schreiben
  • Wann hast du kürzlich Mitgefühl einer anderen Person gegenüber gezeigt? – z.B. aufmerksam zugehört, als es einem/r FreundIn schlecht ging; jemandem bei etwas geholfen, was er/sie alleine nicht geschafft hätte; etwas für jemanden getan worauf du nicht wirklich Lust hattest, von dem du jedoch spürtest, wie viel es der anderen Person bedeutet, wenn du es tust
  • Wann hast du kürzlich Mitgefühl dir selbst gegenüber gezeigt? – z.B. dir selbst gegenüber milde reagiert, statt dich für etwas zu verurteilen; dir etwas gegönnt, um dich aufzuheitern oder emotional zu nähren

Wenn du dir diese Situationen vor Augen geführt hast und hineingespürt hast, dann nimm wahr, ob sich in deiner körperlichen Empfindung etwas ändert und ob deine Stimmung noch immer die Gleiche ist. Kehre dann noch ein mal in die frustrierende Situation zurück und versuche sie mit etwas Abstand zu betrachten. Vielleicht fühlt es sich nun schon weniger dramatisch an. Vielleicht ist es dir auch möglich dir von den Qualitäten helfen zu lassen, die du an dir so schätzt, um mit einer anderen Grundstimmung der Situation zu begegnen.

Und wenn das alles nichts hilft, dann verlasse erst Mal die Situation und tue das, was dir als Kraftquelle dient, um dich wieder wohl mit dir selbst zu fühlen. Es gibt dann sicherlich eine neue Gelegenheit.

Ich wünsche dir viel Spaß beim ausprobieren und freue mich über Kommentare und Rückmeldungen. Nutze dafür, wie auch für Fragen bitte das Kommentarfeld.


Dienstag, 19.Januar 2016

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warum ich den Blog führe

Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaftserfahrungen, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an.
Einige meiner Reflexionen teile ich hier.

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