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Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Wovor hast du Angst?


Hast du liegengebliebene Projekte? Schweigst du, weil du keine Lust hast auf die Reaktion der anderen Person? Fängst du Streit an, weil jemand etwas gesagt oder getan hat?

Ich behaupte, dass der wahre Grund all dessen Angst ist. Du bezweifelst das oder weist es weit von dir? Lass uns genauer hinschauen.

Definition der Angst

Laut Duden bedeutet Angst: „Mit Beklemmung, Bedrückung, Erregung einhergehender Gefühlszustand [angesichts einer Gefahr]; undeutliches Gefühl des Bedrohtseins. (…) In der Fachsprache der Psychologie und Philosophie wird im Allgemeinen zwischen Angst als unbegründet, nicht objektbezogen und Furcht als objektbezogen differenziert. In der Allgemeinsprache werden dagegen beide Bezeichnungen meist synonym verwendet.“

Wikipedia definiert Angst folgendermassen: „Angst ist ein Grundgefühl, das sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert. Auslöser können dabei erwartete Bedrohungen, etwa der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein.“

Viele Menschen denken, dass Angst automatisch einher geht mit Herzrasen, Schweißausbrüchen und Zittern. Das muss jedoch nicht so sein. Wer Angst hat greift entweder an, um sich oder den eigenen Standpunkt zu verteidigen, stellt sich tot bzw. erstarrt, um etwas über sich ergehen zu lassen oder ergreift die Flucht bzw. vermeidet bestimmte Situationen, um der Situation nicht länger oder gar nicht erst ausgesetzt zu sein. Auch anpassen ist angstgetrieben, denn auch das ist ein Vermeidungsverhalten. Die körperlichen Reaktionen darauf sind vielfältig.

Was treibt dein Verhalten an?

Lass uns ein paar konkrete Beispiele anschauen.

Zunächst mal ein unerledigtes Projekt.

Ich rede seit Monaten (wenn nicht Jahren) davon, dass ich gerne eine Ausstellung machen möchte mit meinen Bildern. Woran scheitert es?

Zunächst scheiterte es daran, dass ich mir sagte: „Du bist keine gelernte Künstlerin, sondern malst einfach aus Spaß an der Freude und bist fast komplette Autodidaktin. Wer soll das schon ausstellen wollen?“ Hier sprach ganz klar die Angst vor Ablehnung und die Sorge nicht anerkannt zu werden für etwas was ich mit Freude erschaffen hatte. Was ist so schlimm daran, wenn es nicht alle Welt toll findet?

Die meisten von uns werden den Spruch kennen: „Ist das Kunst oder kann das weg?“

Kunst ist ganz klar Geschmacksache. Und vermutlich wird es einige Menschen geben, denen meine Werke nichts sagen und es wird aber auch Menschen geben, denen sie gefallen. Und ich hatte tatsächlich auch schon beide Arten von Rückmeldungen. Wenn du dir selbst eine Meinung bilden möchtest, dann kannst du meine Bilder auf meiner Homepage anschauen.

Das nächste was in mir auftauchte war: „Aber ich weiß gar nicht wo ich ausstellen könnte.“ und „Ich weiß nicht wie ich vorgehen soll. Soll ich einfach vorbeigehen und fragen? Soll ich anrufen? Soll ich eine email schreiben? Und was soll ich dann sagen? Reicht es, wenn ich auf meine Website verweise? Brauche ich eine Mappe?“ So viel Unklarheit. Da tat ich erst Mal lieber gar nichts. Hatte ich Angst mich zu blamieren? Angst eine peinliche Figur abzugeben? Im Grunde kann ja nicht mehr passieren, als dass die Menschen die ich anspreche nein sagen. Und wenn ich Glück habe, sagt jemand oder sagen ein paar ja.

Ich fasste schließlich Mut und fragte bei einem Café in der Nähe, bei meiner Hausbank und bei einem Immobilienmakler, der gesagt hatte, dass er alljährlich bei einer Langen Nacht der Kunst mitmacht.

Die nette Dame im Café sagte mir, dass sie ein halbes Jahr später wieder Zeiträume frei hätten und sie sich über Künstler aus der Gegend freuen. Ihr Mann würde sich im nächsten Monat bei mir melden. Er meldete sich nicht und ich hakte auch nicht nach. Warum hat er sich nicht gemeldet? Gefielen ihm meine Bilder nicht, als er sie sich auf meiner Website angeschaut hatte? Hatte er es vergessen? Ich werde es nicht rausfinden, so lange ich nicht nachfrage. Das habe ich bisher nicht getan. Warum? Angst vor einer Absage?

Meine Bänkerin mochte meine Bilder, nur leider machten sie keine Ausstellungen bei sich in der Filiale. Sie sprach mit ihrer Chefin und diese ließ mir die email von dem Menschen zukommen, der deutschlandweit für Ausstellungen dieser Bank zuständig ist. Auf meine email erhielt ich niemals Antwort. Ich beließ es dabei, denn ich dachte bei mir: „Das ist vielleicht auch einfach eine Nummer zu groß. Erst Mal klein anfangen.“ Warum diese Bescheidenheit? Angst als größenwahnsinnig verurteilt zu werden? Oder auch einfach wieder nur die Angst vor der Ablehnung?

Der Immobilienmakler sagte mir schon zu, bevor er meine Bilder gesehen hatte. Als er meine Bilder dann gesehen hatte, war er weiterhin begeistert. Für das kommende Jahr (2019) hatte er jedoch schon anderen Künstlern zugesagt. Er sprach mit ihnen, ob sie sich vorstellen könnten, dass von mir auch Bilder ausgestellt werden. Sie konnten es sich nicht vorstellen und meinten, da wären höchsten 1 oder 2 Bilder dabei, die sich lohnen würden ausgestellt zu werden. Zuvor hatte er zugesichert, dass ich auf jeden Fall das Jahr danach (2020) werde ausstellen können, wenn es im Jahr 2019 nichts wird. Bisher hat er sich noch nicht gerührt. Und ich mich auch nicht. Warum bleibe ich nicht dran und mache Nägel mit Köpfen? Habe ich Angst, dass er sich so sehr von den professionellen Künstlern hat beeinflussen lassen, dass er einen Rückzieher machen wird und ich will mich dieser Absage nicht aussetzen? Vielleicht ist er auch einfach mit anderen Dingen beschäftigt. Auch da gilt es nachzuhaken, statt zu spekulieren.

Ein nächstes Beispiel.

Schweigen und runterschlucken, um die Reaktion der anderen Person zu vermeiden. Kennst du das?

Eine Bekannte von mir erzählt mir immer mal wieder davon, wie unmöglich ihr Chef sei. Alle würden sich über ihn aufregen. Heute sagt er A und am nächsten Tag erinnert er sich schon nicht mehr dran und will plötzlich B. Oder er sichert zu sich rauszuhalten und dann mischt er sich doch wieder ein. Die meisten Kollegen regen sich hinter seinem Rücken über ihn auf. Sagt irgendjemand etwas? Selten bis gar nicht. Warum? „Ach, das hat doch eh keinen Sinn. In kürzester Zeit schmeißt er eh wieder alles um.“ Das sieht erst Mal nicht nach Angst getrieben aus. Oder doch? Angst wird u.a. als unlustgetriebene Erregung definiert und Unlust liegt hier mit Sicherheit vor. Keine Lust auf Frustration und Flucht in die Resignation. Keine Lust alleine immer wieder auf Missstände hinzuweisen. Warum? Angst alleine dazustehen und alleine zurechtgestutzt zu werden? Wenn alle gemeinsam immer wieder dranbleiben würden, dann würde es zumindest zeitweise Früchte tragen und wer weiß, vielleicht mit der Zeit auch längerfristig. Das kann nicht herausgefunden werden, wenn aufgegeben wird. Besteht hier eine Angst vor Enttäuschung? Und warum empfindest die Beteiligten es überhaupt als unangenehm, dass dieser Chef so “flexibel” ist? Es ist nicht seine Aufgabe es den Mitarbeitern Recht zu machen. Wenn er ein Interesse daran hat, dass dort gute Stimmung herrscht, dann wäre es jedoch vermutlich schlau, wenn er sich sein Verhalten genauer anschauen würde und vielleicht selbst untersucht, was ihm Angst macht, dass er nicht sein Wort hält. Kennst du solche Situationen? Wenn deine emotionale Reaktion stärker ist, als der Situation angemessen, dann spielt da auf jeden Fall eine Erfahrung aus deiner Vergangenheit mit rein – ob du dich erinnerst oder nicht spielt keine Rolle.

Ein drittes Beispiel.

Streit anfangen, weil jemand etwas gesagt oder getan hat oder nicht getan hat, was er oder sie gesagt hatte, dass er oder sie es tun würde.

Fällt dir dazu ein Erlebnis ein?

Bei Bekannten habe ich letztens die folgende Situation mitbekommen.

Ihm war eine Tasse von ihr kaputt gegangen. Er hatte versprochen, dass sie eine neue kaufen gehen. Als sie dann losfahren wollten, fiel ihm ein, dass sie in einem Streit vor einigen Wochen einige seine Bücher zerrissen hatte, die bis heute nicht ersetzt worden waren. Er erwähnte das und fragte sie: „Warum müssen wir deine Sachen immer sofort ersetzen und meine werden gar nicht ersetzt?“ Sie begann ihn anzuschreien: „Warum fängst du denn jetzt damit an? Du hast mir versprochen, dass wir die Tasse kaufen gehen. Lass uns losfahren.“ Er wollte nicht fahren. Der Streit eskalierte. Die nächsten Tage war schlechte Stimmung. Sie stritten sich wegen jeder Kleinigkeit, obwohl die Tasse mittlerweile gekauft war. Als sie ein paar Tage später so laut stritten, dass ich mir Sorgen machte, dass sie jetzt gleich aufeinander losgehen würden, ging ich dazwischen und wir erkundeten um was es eigentlich ging.

Wie sich rausstellte, wurden bei beiden rote Knöpfe gedrückt, die sich durch Ereignisse in der Kindheit gebildet hatten. Ihre Mutter hatte Versprechungen, die sie ihr gemacht hatte, immer wieder gebrochen, dadurch hatte sie sich unwichtig gefühlt. Und bei seinen Eltern hatte er das Gefühl, dass seine Bedürfnisse und seine Sachen überhaupt keine Wichtigkeit hatten. Für ihn, seine Bedürfnisse und Dinge gab es keinen Raum. So empfand er das.

Beide bedienten die Schmerzmuster der bzw. des anderen. Die Konsequenz ist: Beide fühlen sich bedroht. Auch das ist Angst. Angst zu kurz zu kommen. Angst unwichtig zu sein. Angst unerwünscht zu sein. Angst nicht geliebt zu werden.

Angst hat viele Gesichter.
Wovor hast du Angst?
Weshalb vermeidest du?
Weshalb greifst du an?
Weshalb beharrst du auf deinem Standpunkt? Was könnte passieren, wenn du nachgibst?

Angst verletzt zu werden

Viele Menschen sträuben sich dagegen, dass hinter ihrem Verhalten Angst stecken könnte. Sie wollen den Dingen nicht auf den Grund gehen. Haben sie Angst vor dem was sich zeigen könnte? Warum ist es so schlimm zuzugeben: „Ich habe Angst.”

Eine Angst die mir bei ganz vielen Menschen immer wieder begegnet, ist die Angst sich verletzlich zu zeigen.

Warum? Vermutlich, weil sie irgendwann mal arg verletzt wurden, es extrem weh getan hat und sie diesen Schmerz nie wieder erleben wollen. Und da es so weh getan hat, haben sie meist sogar verdrängt, dass ihnen das überhaupt passiert ist. Oftmals behaupten sie: Ich hatte eine tolle Kindheit. Oder es wurde ihnen aberzogen und sie hatten Sprüche zu hören bekommen, wenn sie sich verletzlich gezeigt hatten. Sprüche wie: „Sei keine Heulsuse.“, „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“, „Ein … ist hart und hält alles aus.“, „Was dich nicht tötet, härtet dich ab.“, „Ist doch nicht so schlimm. Nun hör schon auf zu weinen.“

Mach den ersten Schritt hin zu etwas Neuem

Ich lade dich ein auf eine Reise der Selbsterkundung.

Beobachte dich.

Wenn du etwas vor dir herschiebst oder vermeidest, frag dich: Was wäre, wenn ich es täte und nicht erfolgreich wäre?

Stellst du dich als Person in Frage und verurteilst dich oder schaust du einfach, was du das nächste Mal anders machen könntest, dass es zum Erfolg führt. So nach dem Motto: Hinfallen, Aufstehen, Krone richten, weitergehen.

Wenn du das nächste Mal verärgert reagierst oder explodierst, frag dich: Worin fühle ich mich bedroht? Welches meiner Bedürfnisse wurde in meinen Augen missachtet? Und dann sprich genau darüber. Zeig dich verletzlich. (Du weist nicht was Bedürfnisse sind oder welches deiner Bedürfnisse verletzt wurde? Dann schaue im Internet nach Gewaltfreie Kommunikation und Bedürfnisleiste und du findest eine große Auswahl an Begriffen, die dich inspirieren können.)

Wenn du das nächste Mal schweigst oder klein bei gibst, statt etwas auszusprechen oder an deiner Haltung oder deinem Bedürfnis festzuhalten, frag dich: Was fürchte ich, was passieren könnte, wenn ich es (noch ein Mal) ausspreche?

Wichtig!!! Beurteile und vor allem verurteile dich nicht dafür, dass du so reagierst, wie du reagierst.
Wenn du nicht magst, wie du bist, dann fange an es anders zu machen, so gut es eben geht.

Frag dich, weshalb du es anders machen möchtest. Was ist deine Vision? Was ist dein Wunsch, wie Menschen miteinander umgehen? Was hast du für Werte? Lebst du das oder erwartest du es nur von anderen?

Mache den ersten Schritt, immer wieder – und wenn du die einzige Person bist, die diese Schritte macht. Früher oder später wird es Früchte tragen, auch wenn es lange Zeit nicht danach aussieht. Dafür ist es wichtig, dass du deine Angst davor ablegst abgelehnt zu werden und alleine dazustehen, wenn du deinen Werten oder deiner Vision folgst.

Vielleicht fühlt es sich eine Zeit lang so an, als müsstest du sterben, wenn du deiner Angst ins Gesicht siehst und die Dinge tust die du bisher meist vermieden hast oder wenn du anderes reagierst und deinen Werten entsprechend agierst. Bleib dran. Es lohnt sich. Am Ende wirst du stolz auf dich sein, dein Respekt dir selbst gegenüber wird wachsen und deinen Selbstliebe ebenso. Sei unstopbar. So wächst in dir Vertrauen, das Gegenstück zu Angst. All die verschiedenen Ängste haben sich irgendwann einmal gebildet, weil dein Vertrauen in jemanden erschüttert wurde. Ängste sind Schutzmechanismen. Wir versuchen Situationen und Gefühle zu kontrollieren, da wir das Vertrauen verloren haben. Erobere es dir zurück, lass es in dir wachsen.

Ich bin neugierig zu erfahren, ob es dir gelingt dich neu zu erfinden, dich zu befreien von deinen alten Mustern und mutig in die Welt zu ziehen. Schreib deine Erfahrungen unter diesen Blogartikel ins Kommentarfeld. Und wenn du Unterstützung wünscht, um mit deinen Emotionen ins Reine zu kommen, dann bewirb dich für eine kostenfreie Innere Freiheit Erkundungssitzung und wenn wir uns eine Zusammenarbeit vorstellen können, dann begleite ich dich gerne in deinem Prozess.

Ich freue mich auch über andere Rückmeldungen zu diesem Blogartikel. Resoniert der Artikel in dir? Bezweifelst du, was ich schreibe? Macht es Sinn für dich? Und nun wünsche ich dir viel Erfolg und Spaß bei der Anwendung. Dir gefällt mein Blogartikel? Dann teile ihn gerne mit anderen, stöbere in meinen älteren Blogartikeln und abonniere meinen Blog.


lunedì, 4.marzo 2019

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Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaftserfahrungen, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an. Einige meiner Reflexionen teile ich hier.


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