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Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

So bin ich halt


Diskussionen in denen ein Beteiligter argumentiert: „So bin ich halt.“ laufen ins Leere. Widerspruch zwecklos. Weitere Argumentationen scheint die Fronten nur mehr zu verhärten.

Jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens bestimmte Persönlichkeitszüge entwickelt, sowie Verhaltensweisen und Herangehensweisen, die für ihn oder sie typisch sind. Ich denke jedeR kennt Menschen, die besonders ordentlich, unpünktlich, umsorgend, genau, vorausschauend, chaotisch, vorsichtig, zuverlässig, entgegenkommend, berechenbar, sorgsam oder sonst etwas sind.

Wie bist du?

Nimm dir einen Moment Zeit und überlege dir, welche fünf bis zehn Eigenschaften dich besonders ausmachen. Benutze dafür Adjektive, also Wie-Wörter (Beispiele siehe oben bei den genannten Persönlichkeitszügen). Falls dir nichts einfällt, dann überlege, wie dich andere Menschen beschreiben würden, was dir andere vielleicht sogar manchmal vorwerfen oder dir dafür Wertschätzung aussprechen. Mach keine Wissenschaft daraus, sondern nimm die Eigenschaften, die dir spontan einfallen.

Die Eigenschaften die mir zu mir selbst spontan einfallen sind: neugierig, genau, vorausschauend, kreativ, präsent, spontan, offen, hartnäckig, intuitiv, reflektiert.

Jede Eigenschaft kann als angenehm und als unangenehm erlebt werden. Neugier beispielsweise kann als Interesse bekunden erlebt werden, es gibt aber auch Menschen, die sich dadurch bedrängt fühlen und die neugierige Fragen als Eindringen in ihre Privatsphäre empfinden. Genauigkeit sorgt für ein akkurates Ergebnis, kann aber auch als korinthenkackerisch oder übertriebene Pingeligkeit erlebt werden.

Nimm dir deine aufgelisteten Eigenschaften und überlege dir für jede einzelne Eigenschaft, warum und/oder wann diese als angenehm und warum oder wann sie als unangenehm empfunden werden könnte.

Warum bist du so?

Der Grund weshalb du bestimmte Persönlichkeitszüge entwickelt hast, hängt sehr stark damit zusammen, in welchem Umfeld du aufgewachsen bist bzw. was du besonders zwischen Zeugung und Schulbeginn erlebt hast. Selbstverständlich haben dich auch die nachfolgenden Jahre weiter beeinflusst. Besonders prägend ist jedoch die Zeit bis etwa sechs Jahre. Das hängt damit zusammen, dass das Gehirn der Menschen in diesen Jahren in einer Schwingung ist in welche Erwachsene versetzt werden, wenn ihnen in einem leichten Trance- oder Hypnosezustand etwas tief ins Unbewußte eingetrichtert werden soll. Was wir in diesen ersten Jahren hören und erleben, brennt sich tief in unser Körpergedächtnis ein. Wenn brav sein beispielsweise dazu führt, dass ich Zuwendung bekomme oder Widerspruch zu Schlägen führt, dann werde ich mein Verhalten den Umständen anpassen, damit ich möglichst gut durchkomme. Entsprechend wird sich dieses Kind dann auch als Erwachsener verhalten. Kinder lernen durch Beobachtung und ihr Selbstbild wird stark durch die Sätze geprägt, die ihnen gegenüber emotional geäußert werden. Hört ein Kind beispielsweise immer wieder: „Tu das nicht, das ist gefährlich.“, dann wird es vermutlich eher vorsichtig werden. Hört es: „Ich mach das für dich, du kannst das nicht.“, dann wird es sich auch später als Erwachsene*r wenig zutrauen und den eigenen Impulsen nicht vertrauen. Bekommt es Zuspruch, wie beispielsweise: „Probier ruhig, das schaffst du bestimmt.“, dann wird es auch später den Mut haben, Dinge auszuprobieren.

Wer ein ehrliches, liebevolles, unterstützendes Miteinander erlebt, der wird anders auf Menschen zugehen und im Leben agieren, als Menschen, die Missbrauch, Gewalt und Intrigen erlebt haben. Wer in Armut aufgewachsen ist hat ein anders Verhältnis zum Geld, als diejenigen, die sich über Geld wenig bis gar keine Gedanken machen mußten.

Da wir nicht als einzelne Individuen im luftleeren Raum alleine leben, braucht es gewisse Regeln, besonders dort wo viele Menschen auf engem Raum zusammen kommen, damit das Miteinander harmonisch funktioniert.

Du bist nicht in Stein gemeißelt.

Jeder Mensch hat andere Erfahrungen gemacht beziehungsweise ähnliche Erfahrungen anders erlebt und interpretiert somit das was er im hier und heute erlebt anders. Es ist wichtig, dass du dir darüber klar wirst, dass das wie du bist und agierst und das wie andere sind und agieren immer Sinn macht, denn es wurde durch die eigene Geschichte geformt. Das bedeutet nicht, dass eine Art richtiger ist als eine andere und das bedeutet auch nicht, dass es auf immer und ewig so bleiben muss.

Sagt jemand in einer Diskussion: „So bin ich halt.“ beutetet das im Grunde: So bin ich, weil mein Leben mich so geprägt hat und es für mich früher so sicherer wahr zu überleben. Ich mußte andere Persönlichkeitszüge unterdrücken, da es sonst gefährlich geworden wäre für mich oder ich weniger Zuwendung erfahren hätte.

Es ist wichtig, dass sich auch die Person, die diesen Satz sagt dies bewußt macht. Nimm dir Zeit und spüre diesem Satz nach, wenn du ihn selbst benutzen solltest. Was nimmst du in deinem Körper wahr? Verhärtet sich irgendwo etwas in dir oder fühlst du dich aufgewühlt, wenn du ihn sagst? Verstummst du oder wirst du vehement in deiner Argumentation? Dann ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass dies eine Überlebensstrategie von dir ist und du dafür einen anderen Persönlichkeitsteil in dir unterdrücken mußtest. Vielleicht war es irgendwann besonders wichtig, dass du sehr genau bist, da du, wenn du ungenau gearbeitet hast Ärger oder schlechte Kommentare oder Noten bekamst. Vielleicht hast du die Strategie entwickelt dich zurückzuziehen und zu verstummen, wenn es Zuhause Streit gab, da du mit der Situation überfordert warst oder selbst in die Schusslinie geraten wärest, wenn du dageblieben und etwas gesagt hättest. Vielleicht mußtet ihr jeden Cent umdrehen und es fällt dir deshalb heute schwer Geld für Dinge auszugeben, die nicht einfach nur das Überleben sichern.

Wenn du dir dieser Mechanismen klar wirst und deine Verhärtung oder dein Aufgewühltsein spürst, dann probiere beim nächsten Mal nicht zu denken oder sagen: „So bin ich halt.“, sondern erlaube dir den Gedanken, dass es vielleicht doch auch anders möglich ist und probiere es aus. Vielleicht fühlt es sich erst mal an, als würdest du „sterben“, wenn du plötzlich anfängst zu planen, anstatt spontan im Moment zu entscheiden oder wenn du dableibst und das probierst in Worte zu fassen, was in dir vorgeht, anstatt dich zurückzuziehen und in Schweigen zu verfallen oder zu schweigen, anstatt zu explodieren. Oder deiner Angst ins Auge zu sehen, in dem du beobachtest, was da in deinem Körper vor sich geht, anstatt alles mögliche zu tun, um nicht zu fühlen oder dich erst gar nicht in Situationen zu begeben, die Angst in dir auslösen könnten. Wenn du es oft genug tust, dann wird es immer leichter und wird sich mit der Zeit natürlicher anfühlen.

Du bist halt so, weil du dazu gemacht wurdest – durch dein Umfeld in frühesten und auch späteren Jahren und deine Lebenserfahrungen. Mit Willen und Geduld kannst du dir Persönlichkeitsteile von dir zurückerobern, die ebenfalls schon früh zu dir gehört hätten, wenn du sie hättest ausleben dürfen. Hab Mut und begib dich auf den Weg wieder vollständiger zu werden, so dass du dann wirklich frei wählen kannst, ob du beispielsweise heute planst oder es spontan auf dich zukommen läßt oder etwas ganz genau ausführst oder an diesem Tag auch einigermaßen okay reicht.

Wirkliche Freiheit entsteht erst, wenn du mit beiden Optionen inneren Frieden gefunden hast und dich wirklich situationsabhängig für eine der beiden Möglichkeiten entscheidest.

Wenn du bei der Überwindung der inneren Widerstände hin zur freien Wahlmöglichkeit Unterstützung brauchst, dann nimm gerne mit mir Kontakt auf und vereinbare einen ersten Sitzungstermin.

Viel Spaß beim anwenden. Ich freue mich über Rückmeldungen im Kommentarfeld. Auch für Fragen kannst du dieses gerne benutzen. Dir gefällt dieser Artikel? Dann leite ihn gerne an andere Menschen weiter, für die er ebenfalls hilfreich sein könnte. Ich schreibe alle zwei Wochen einen neuen Artikel. Abonniere diesen Blog und du erhältst immer sofort den neuesten Artikel.


Montag, 29.Mai 2017

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warum ich den Blog führe

Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaftserfahrungen, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an. Einige meiner Reflexionen teile ich hier.

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