Blog

Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Situationskomik


Heute schon gelacht? Über dich selbst? Das ist eine Kunst, die manche beherrschen während andere bestrebt sind perfekt zu sein. Über wen oder was lachst du am liebsten?

Kannst du über deine eigenen charakterlichen und körperlichen Unzulänglichkeiten lachen? Oder lachst du vor allem über die Missgeschicke anderer? Oder bist du gar jemand, der zum Lachen in den Keller geht, wie es mancher ausdrücken würde?

Laut Duden ist „Humor die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.“ (Duden: Das Herkunftswörterbuch. Mannheim 2007, Lemma Humor.) Von diesen Unzulänglichkeiten und Missgeschicken gibt es einige im Laufe des Tages. Oder nicht?

Heiterkeit oder Verbissenheit?

Wann bist du das letzte Mal ungeschickt gestolpert, hast etwas umgestoßen, dich tapsig angestellt oder bist irgendwo gegengerannt – z.B. gegen einen großen Ast, während du dich gerade auf etwas am Boden konzentriert hast? Wann hast du dich das letzte Mal im Spiegel betrachtet und gedacht: „Na, das war auch schon mal knackiger.“? Was besonders mit fortschreitendem Alter häufiger vorkommen soll. Wie war deine Reaktion darauf? War du frustriert? Hast du rumgezetert wie ein Rohrspatz? Hast du dich selbst kritisiert? Oder hast du schallend angefangen zu lachen und dich über dich selbst amüsiert? Hast du die Veränderungserscheinungen deines Körpers mit dem Auge eines Zeichners sehen können, der eine Karikatur daraus entstehen lassen würde?

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ heißt es so schön. Diese Redewendung wird dem Deutschen Dichter Otto Julius Bierbaum (1865–1910) zugeschrieben. Wie sieht es mit deiner Humor-Fähigkeit aus?

Bist du eher ernst oder nutzt du jede Gelegenheit die sich bietet dem Leben mit einem herzhaften Lachen zu begegnen? Ich meine hier Gelegenheiten in denen du über dich selbst oder mit anderen lachst, nicht, in denen du andere auslachst und mit dem Finger auf sie zeigst, um dich öffentlich über sie lustig zu machen. 5-10 Minuten herzhaft durchgelacht setzt Endorphine frei, die körpereigenen Glückshormone die eins der besten Mittel gegen Schmerzen sind.

Ich ging vor einer Weile mit einer Freundin durch den Wald und ohne, dass ich über etwas gestolpert wäre, flog ich bäuchlings auf die Nase. Ich war etwas verdattert, als ich auf dem Boden landete. Und fing schallend an zu lachen. (Ich war wohlauf.) Ich schaute mich um und sagte: „Was war das denn?“ rappelte mich auf und brauchte eine Weile, bis ich mich wieder einbekommen hatte. Dann setzten wir unseren Weg fort. Ich hatte noch eine ganze Weile ein Grinsen im Gesicht.

Dass Endorphine gegen Schmerzen helfen bezieht sich vor allem auf körperliche Schmerzen. Lachen soll aber auch gegen psychische Schmerzen helfen. Schon mal erlebt? Das Gehirn kann nicht unterscheiden, ob du überzeugt lächelst oder künstlich lachst oder nur die Mundwinkel hochziehst, weil du gehört hast, dass es gesund sein soll. Wenn du also schlecht drauf bist, dann stellen dich doch mal zehn Minuten vor den Spiegel und grinse dich selbst breit an. Berichte ruhig, ob sich deine Stimmung danach geändert hat. Lachen soll auch ansteckend sein. Wenn in deiner Nähe jemand lange genug herzhaft lacht, dann kann es durchaus geschehen, wenn du nach einer Weile anfängst zu grinsen und mit einstimmst.

Manchmal erkennen wir den Witz erst im Nachhinein

Erinnerst du dich an eine Situation die du, als sie stattfand, wenig lustig fandest, über die du dich im Nachhinein jedoch köstlich amüsieren kannst, weil es dir inzwischen so absurd erscheint? Ich glaube wir haben alle solche Situationen erlebt. Ich erinnere mich an eine Situation auf einem Bahnhof in Indien, vor etwa 20-25 Jahren. Ich hatte einen Liegeplatz in einem Schlafwagen gebucht, der sich natürlich in einem bestimmten Wagon befand. Der Zug fuhr ein und ich schaute nach der Wagonnummer. Ich konnte sie nicht finden. Ich rannte von einem Ende des Zuges zum anderen und wieder zurück. Ich war ziemlich überdreht und ein wenig panisch. Anstatt einfach einzusteigen, blieb ich auf dem Bahnsteig stehen und der Zug fuhr ohne mich los. Als ich mich umschaute, sah ich, dass dort einige Inder ebenfalls noch auf dem Bahnsteig standen. Sie waren alle seelenruhig. Ich sprach jemanden an und der erklärte mir, dass der Zug zum nächsten Bahnhof fährt, die Schlafwagen dort angekoppelt werden und der Zug dann wieder zurückkommt. Da war ich doch sehr beruhigt und perplex. Machte für mich überhaupt keinen Sinn dieses System. Ich konnte jedoch über mich selbst lachen. Das muss schon ziemlich witzig ausgesehen haben, wie ich da über den Bahnsteig peste, wie ein aufgescheuchtes Huhn. Ich muss immer noch grinsen wenn ich daran zurückdenke. Andere Länder, andere Sitten, sage ich da nur.

Einladung

Ich lade dich dazu ein, dich dafür zu entscheiden, deinem heutigen Tag und auch anderen Tagen mit Humor zu begegnen. Egal was dir widerfährt. Versuche die komische Seite dessen zu erkennen, was du da gerade erlebst. Egal, ob das bei der Arbeit ist, mit deinen Kindern, mit deinem/r Partner*in, mit Freunden/innen, mit Passanten. Wie würde es für einen Aussenstehenden aussehen, der die Szene beobachtet?

Ich erinnere mich an eine Szene mit einem Exfreund, mit dem ich damals im Café saß. Wir stritten uns mal wieder. Irgendwann mußte ich schallend anfangen zu lachen – was die Situation deutlich entkrampfte. Ich sagte: „Wenn ich uns zuhöre, dann komme ich mir vor wie im Kabarett. Der Mann der an unserem Nachbartisch saß wendete sich daraufhin zu uns und sagte: „Ihr solltet Eintrittsgeld nehmen.“ Die Endorphine waren im Anschluß in voller Fahrt. An Streit war vorerst nicht mehr zu denken.

Ich freue mich, wenn du im Kommentarfeld deine Erfahrungen teilst. Ist es dir gelungen die Dinge mit Humor zu sehen und den Witz an der Sache zu erkennen Und wenn du den Eindruck hast, dass dieser Artikel den Tag von jemand anderem aufheitern oder bereichern könnte, dann teile ihn bitte mit dieser Person. Ich schreibe alle zwei Wochen. Du kannst meine Blogartikel abbonieren, so bekommst du sie immer ganz frisch, sobald ich sie geschrieben habe.


Montag, 10.Juli 2017

weitere artikel zu den themen

Alle Artikel

warum ich den Blog führe

Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaftserfahrungen, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an. Einige meiner Reflexionen teile ich hier.

Blog abonnieren

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Schließe dich 73 anderen Abonnenten an

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*