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Mareia Claudia Lange

SoulrootsReflexionen

über Menschliches & Zwischenmenschliches

Körper — Psyche — Gefühle

Wieso Paartherapie? Das schaffen wir doch alleine als Paar.


Partnerschaft ist wie Zahnpflege – Bei regelmäßiger Pflege vermeide ich üble Konsequenzen. Es kommt bei beidem darauf an, was ich in diesen sensiblen Raum hereinlasse.

Es heißt, die Verdauung fängt im Mund an. Nun, das was in einer Partnerschaft in Form von Worten aus dem Mund herauskommt, hat entscheidenden Einfluss darauf, was davon gut verdaut werden kann und was auf Dauer zu Krankheitsherden führt. Alleine auf die Worte zu achten hilft jedoch auch nicht, denn Kommunikation ist mehr als nur Worte.

Die Partnerschaftshomöostase

Homöostaste kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Gleichstand. Es meint die Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustandes in einem dynamischen System durch den Einsatz interner regulierender Prozesse.

In Bezug auf Partnerschaft bedeutet das, dass innerhalb dieser dafür gesorgt werden möchte, dass sich darum gekümmert wird, dass die Bedürfnisse aller an der Partnerschaft Beteiligten (meist zwei Personen) so weit erfüllt werden, dass beide gerne in der Partnerschaft leben.

In der Regel ist es so, dass beide Partner, auf Grund ihrer Lebensgeschichte, zumindest teilweise unterschiedliche Bedürfnisse haben. Sie beispielsweise lädt gerne Leute ein, er hat die eigenen vier Wände lieber für sich. Er mag es aufgeräumt und sauber, sie läßt eher mal etwas rumliegen. Sie legt wert auf Pünktlichkeit und plant deshalb gerne extra Zeit ein, er ist immer auf den letzten Drücker oder es kommt gar regelmäßig etwas Wichtiges dazwischen, dass er dann doch zu spät kommt. Sie möchte Redezeit miteinander verbringen, ihm genügt es zu wissen, dass die Partnerin im gleichen Gebäude ist. Die Liste könnte endlos fortgesetzt werden.

Oftmals erscheint es völlig unverständlich, dass der Partner oder die Partnerin es nicht genauso handhaben will wie man selbst. Häufig kann eine Person in der Partnerschaft die Eigenheiten des oder der Anderen eher tolerieren. Wozu aufregen, wenn ich doch nichts an der Situation ändern kann? Dies ist die Person, die in der Partnerschaft der Auffassung ist, dass doch alles im Großen und Ganzen in Ordnung ist. Wir bekommen das als Paar ganz gut hin. Das Gleichgewicht scheint aufrecht erhalten zu sein.

Das Bedürfnisungleichgewicht

Dummerweise ist es oft so, dass die andere Person das anders sieht. Das ist meist die Person, die sich mehr von einer Partnerschaft erhofft, als nebeneinander herzuleben und sich wünscht, dass ein reger Austausch und ein Miteinander besteht, in der bedeutsame Erlebnisse und Gespräche regelmäßig miteinander genossen werden. Findet das nicht statt oder kommt es zu kurz, ist sie frustriert und bringt das auch immer wieder zum Ausdruck. Wenn der Andere das nicht ernst nimmt und sich denkt: „Was regt sie sich jetzt schon wieder auf? Wieso müssen wir schon wieder reden? Sieht sie denn nicht, was ich alles für sie tue? Ich racker mich ab und wie dankt sie es mir? Schon wieder dieses Miesepeter-Gesicht.“, dann gerät das Gleichgewicht für die frustrierte Person immer mehr in Schieflage. Gefährlich wird es dann, wenn die sich beschwerende Person aufhört sich zu beschweren, anfängt ihren Interessen alleine nachzugehen und sich nicht mehr oder kaum darum bemüht den zufriedenen Partner mit einzubeziehen. Das kann ein Zeichen dafür sein, dass diese Person auf dem Absprung ist. Wenn du als zufriedener Partner keinen Anlass siehst die Beschwerden der unzufriedenen Partnerin ernst zu nehmen, kann es dir passieren, dass du bald keine Partnerin mehr hast, die unzufrieden oder zufrieden sein könnte. Wenn ihr mindestens ein Kind habt, hast du Glück. Die Unzufriedenheit ist zwar deshalb nicht kleiner, aber der Impuls den Partner der denkt, dass doch alles ganz gut läuft zu verlassen wird länger unterdrückt. Es werden mehr Versuche gestartet, doch Gehör zu finden oder es wird sich damit abgefunden, dass halt beide nur aneinander vorbeileben.

Einzeltherapie ist nur eine Notlösung

Die unzufriedene Person bittet oder bekniet die zufriedenere Person oftmals, dass sie sich Hilfe holen und beispielsweise eine Paartherapie zu beginnen. Der zufriedenere Partner sieht dafür natürlich keinen Anlass, denn ihm geht es ja verhältnismäßig gut. „Warum Hilfe von Außen? Um sich noch mehr Vorwürfe anzuhören und eventuell noch gesagt zu bekommen, dass diese Vorwürfe berechtigt sind? Um zu reden? Wenn ich auf die vielen Fragen meiner Partnerin würde antworten können, würde ich es ja tun. Und zu viel reden macht die Dinge oft noch schlimmer. Nein danke, ich möchte keine Paartherapie. Außerdem möchte ich auch nicht unser Privatleben vor einer fremden Person ausbreiten.“

In der Paartherapie wie ich sie anbiete ist kein Platz für Vorwürfe. Es geht darum Verbindung herzustellen und Verständnis füreinander zu entwickeln. Es geht darum wieder Leichtigkeit in den Alltag hereinzubringen.

Wenn die unzufriedene Person mit ihren Versuchen sich zusammen professionelle Unterstützung zu holen fehlschlägt, beginnt sie manchmal eine Einzeltherapie, um mit der Frustration besser klarzukommen. Sie denkt, vielleicht muß ich mich nur ändern, dann wird es schon. Oder sie denkt, wenn ich meine Wunden aus der Kindheit aufräume, dann werde ich nicht mehr so empfindlich auf meinen Partner reagieren, wenn meine Bedürfnisse nicht erfüllt werden.

Ich habe in meinen etwa 20 Jahren die ich nun schon Menschen begleite in der Einzeltherapie überwiegend mit Menschen gearbeitet, die mit einem Beziehungsthema zu mir kamen. Entweder waren sie frustriert, weil in ihrer Partnerschaft nicht auf ihre Bedürfnisse so eingegangen wurde, wie sie es sich wünschen würden oder sie waren frustriert, weil sie ohne Beziehung waren. Die gemeinsame Arbeit hat zu vielen Erkenntnissen und auch zu mehr Gelassenheit geführt, zur Aufarbeitung einiger Verletzungen die aus der frühesten Kindheit herrührten. Es führte dadurch oftmals auch zu mehr Mitgefühl für die Reaktionen und Aktionen des Partners. Eine befriedigende Partnerschaft war deshalb trotzdem selten die Folge. Im Grunde ist die Einzeltherapie – wenn es dabei um Beziehungsthemen geht – immer nur ein Feuer löschen, ein Freiputzen dessen, was sich immer wieder anstaut. Die Toleranzschwelle wird vielleicht erhöht, die innere Stärke aufgebaut. Es ist trotzdem sozusagen lediglich wie wiederholte professionelle Zahnreinigung und ein Löcher füllen. Die Ursachen werden damit nicht behoben. Es wird überwiegend nur Flickwerk betrieben. Es ist Arbeit auf einem Nebenschauplatz, die Notlösung um überhaupt irgendwie über die Runden zu kommen, da der Partner nicht bereit ist sich auf diese Heilreise gemeinsam einzulassen, denn ihm geht es ja scheinbar gut. Einzeltherapie auf Grund von Beziehungsunzufriedenheiten zu machen ist also auf Dauer auch keine Lösung.

Mit dem Partner gemeinsam wachsen

In einer Partnerschaft in der sich beide von Herzen füreinander entschieden haben, wollen in der Regel beide, dass es dem oder der anderen gut geht, dass sie glücklich ist. Um dieses glücklich sein des anderen zu gewährleisten, braucht es auch das Engagement des Partners oder der Partnerin. Dieses Engagement sieht nicht immer so aus, wie wir glauben. Deine Partnerin oder dein Partner braucht vielleicht etwas anderes als du brauchen würdest. Wenn es einem von beiden nicht gut geht, sollte es selbstverständlich sein, dass der oder die andere tut, was in ihren Kräften steht, um mitzuhelfen, dass sich der Zustand wieder bessert. Ich betone, dass es ein MIThelfen ist. Selbstverständlich muß auch die Person, der es nicht gut geht, ihre Verantwortung übernehmen und auch ihren Teil zur Genesung beitragen. Es ist wichtig, dass sich beide darüber austauschen, welches ihre Bedürfnisse sind und was sie brauchen, damit diese erfüllt werden. Dummerweise ist das was mein Gegenüber zur Stillung des eigenes Bedürfnisses braucht immer wieder etwas, was mir schwer fällt zu geben, weil mein Bedürfnis häufig ein ganz anderes, wenn nicht sogar das genau Entgegengesetzte ist. Und genau deshalb ist es extrem hilfreich, wenn nicht sogar notwendig, sich professionelle Hilfe zu holen. Und dies besser früher, als später.

Und auch hier komme ich wieder auf den Vergleich mit der Zahnpflege. Wenn ich frühzeitig lerne, wie ich meine Zähne am besten pflege und welche Nahrungsmittel besser zu meiden sind und dem auch nachkomme, dann vermeide ich, dass ich später Löcher füllen muß oder sogar Zähne gezogen werden müssen.

Wenn ich frühzeitig, also bevor die ersten dicken Krisen entstehen und der Haussegen schief hängt, in einer Partnerschaft lerne, was zur Beziehungpflege förderlich ist, was besser vermieden wird und wie sich beide am besten unterstützen können, um alte Wunden aus der Vergangenheit zu heilen und Spaß und Leichtigkeit in der Partnerschaft zu fördern, dann können größere Streitigkeiten frühzeitig abgewendet werden, beziehungsweise können schwierige Situationen leichter und schneller gemeistert werden. So wird die Beziehung nicht zum schwelenden Krankheitsherd, sondern zu einem Ort in dem Kraft geschöpft wird und der sich sicher und geborgen anfühlt.

Konsequenzen der Vermeidung

Wer Paartherapie meidet, weil er der Meinung ist, das brauchen wir doch nicht, das bekommen wir schon so hin – obwohl nur einer der beiden Partner dieser Meinung ist – oder es nur in wirklich dicken Krisen oder wenn die Trennung schon ernsthaft angedroht wird in Betracht zieht, der handelt in meinen Augen verantwortungslos und egoistisch. Wem das Wohl des Gegenübers am Herzen liegt, der geht mit und nimmt Hilfe in Anspruch, wenn einer der Partner der Meinung ist, dass es ohne professionelle Hilfe nicht klappt oder dass es sinnvoll wäre sich rechtzeitig Handwerkszeug zuzulegen.

Manchmal steckt hinter der Ablehnung auch Angst. Die Sorge, was alles zu Tage kommen könnte. Angst festzustellen, dass vielleicht auch eigene Baustellen bestehen. Das kann beschämend wirken. Es zeigt jedoch lediglich, dass auch diese Person ein Mensch ist und keine Maschine. Ja, es wird vielleicht einiges zu Tage kommen, was unangenehm ist, aber nur dadurch kann es Heilung erfahren.

Aber wie gesagt, mit der Paartherapie ist es wie mit dem Zahnarzt, wer regelmäßig zum Zahnarzt geht braucht nicht irgendwann zu einer überraschenden Wurzelbehandlung oder hat nicht plötzlichen ein Dauerabo, da nach Jahren der Zahnarztbesuchvermeidung so viel Schaden angefallen ist, dass in kurzen Terminabständen die Schäden behoben werden müssen und vielleicht 4 Zähne gezogen werden. Wer also frühzeitig zum Paartherapeuten geht erspart sich späteren Ärger und ist auf Krisen, die auch durch äußere Lebensumstände verursacht werden können, besser vorbereitet.

Wo zwei Menschen zusammenkommen, da werden früher oder später auch unterschiedliche Meinungen und Ansichten aufeinanderstoßen. Keine Ansicht ist besser oder richtiger. Jede Person hat ihre logische Erklärung, die sich auf Grund der eigenen Vergangenheit so entwickelt hat.

Recht haben oder in Verbindung sein

Der persische Mystiker und Poet Dschalal ad-Din Muhammad Rumi (1207-1273) schrieb einst: „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“

Wenn beiden Beteiligten eines Paares klar ist, dass sie entweder versuchen können Recht zu haben oder in Verbindung zu sein und sich für die Verbindung entscheiden, kann die gemeinsame Partnerschaftsreise beginnen zu erblühen. Dann trägt das zusammen wachsen zum Zusammenwachsen bei. Und dann werden die kleinen Ärgernisse des Alltags plötzlich nebensächlich, da die gemeinsamen beglückenden Momente überwiegen und erfüllen.

Du hast den Mut dich mit deiner Partnerin oder deinem Partner zusammen auf diese Reise zu machen? Dann bewerbt euch für eine kostenfreie Magische Partnerschaft Erkundungssitzung. Wir schauen gemeinsam, ob wir uns eine Zusammenarbeit vorstellen können und welche Form der Begleitung sinnvoll ist. Die gemeinsame Arbeit findet dann entweder persönlich statt oder über Zoom (Online).

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luned, 27.novembre 2017

warum ich den Blog führe

Die Arbeit mit den Menschen die ich begleite, meine Partnerschaftserfahrungen, das Tango Argentino tanzen, alltägliche Erlebnisse und meine Reisen in andere Länder regen mich besonders zur Reflexion über Menschliches und Zwischenmenschliches an. Einige meiner Reflexionen teile ich hier.

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